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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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Vierzehntes Kapitel.

Zehnjähriger l^riecle unä englisches Protektorat.

Es würde zu weit führen, all die Unrichtigkeiten zurechtzustellen, welche C. von Fran^ois hierüber in feinem Buche niedergeschrieben hat. Sowohl den Missionaren als dem Volk wie auch den Kaufleuten und Händlern konnte bei der damaligen Lage nichts erwünschter sein, als daß eine christliche Regierung die Eingeborenen unter ihre Schutzherrschaft stellte. England dachte wohl bis zum Jahre 1870 noch nicht daran, solches zu tun. Es galt der Regierung am Kap als ganz selbstverständlich, daß jene Länderstrecken nordwärts vom Orangefluß bis zum Kunene englische Interessensphäre seien. Darum erschien es auch der Mission und den etwa 200 Weißen im Lande als ganz natürlich, daß die englische Regierung auch die Pflicht habe, die Eingeborenen zu schützen. Es war aber nicht das Werk der Missionare, daß die englische Regierung dazu schritt, und noch weniger war es ihr Werk, wie von Fran^ois irrtümlich sagt, daß die Kapkolonie und die britische Krone auf Südwestafrika verzichteten. Schon im Jahre 1870 suchte die Kapregierung zwischen den Herero und Nama zu vermitteln. Es war ähnlich damit wie mit ihrem Abkommen mit dem Häuptling Wilhelm Christian auf Warmbad und seinen Bondelzwarts. Mit diesen war die englische Regierung einen Ver­trag eingegangen, in dem sich diese Nama verpflichteten, ihre Leute gegen die damals raubenden Koranas mit zu Dienst zu stellen. Sie taten das treulich, und die Häuptlinge der Bondelzwarts erhielten von der britischen Krone dafür jährlich Subsidiengelder bis zu 500 Pfund Sterling. Zur Errichtung des englischen Protektorats über das Namaland kam es jedoch erst im Jahre 1876. Da erklärten sich sämtliche Namahäuptlinge bereit, die englische Oberherrschaft anzuerkennen. Ganz anders lagen die Dinge im Hereroland. Die Herero hatten tatsächlich ihre Befreiung von dem Joch der Nama den Engländern zu verdanken. Hieraus erklärt sich die große Vorliebe der Herero für die Eng­länder bis heute. Schon im Jahr 1870, kurz nach dem Friedensschluß, sahen die Herero, daß es Jan Jonker auf Windhuk nicht ernstlich um Frieden zu tun war. Da sandten die Häuptlinge Maharero und Aponda Anfang 1872 an den Gouverneur von Kapstadt, Sir Henry Barkley folgende Bittschrift: Wir bitten, das Excellent Britisch Gouvernement wolle uns Rat und Beistand gewähren, unser armes Land zu regieren und ihm zu helfen. Die Nama werden nicht Frieden halten. Wir bitten das Gouvernement, daß es Gesetz und Ordnung in unserm Lande aufrichte und uns beschütze. Wir bitten das Gouver­nement, unsere Bitte uns nicht zu versagen und Erbarmen mit uns zu haben."

Dazu kam noch, daß die Trekburen ihr Augenmerk auf das Hereroland richteten. Die Buren in Transvaal fühlten sich beengt und suchten neue