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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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Die Eingeborenen verkauften an Weiße: 1 Ziege 5 M. in Waren; 1 Mutterschaf 6 M. in Waren; 1 Schlachtschaf (Hammel) 810 M.; 1 Kuh 3040 M.; 1 junger Ochse 3-4jährig 30 M.; 1 junger Ochse 4öjährig 40 M.; l junger Ochse 5lOjährig (stark) 60 M.

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Dreizehntes Kapitel.

Kriege uncl Kriegsführung.

Um den Zustand eines Volkes an einem bestimmten Zeitabschnitt recht zu verstehen, dazu gehört auch, daß man der Kriege gedenkt, die es bis dahin geführt hat, und wie sie zu seinem jetzigen Bestand mitgewirkt haben. So muß auch ich auf die Kriege der Herero mit ihren Nachbarn, sonderlich mit den Nama, eingehen. Ich könnte hierüber aus eigener Erfahrung ein dickes Buch schreiben; ich muß mich aber aus das Nötigste beschränken, obwohl es nicht leicht ist, ein so langes Kriegs- und Räuberwesen, wie es in der Geschichte der Herero im letzten Jahrhundert vorliegt, kurz zu schildern. Die Mit­teilungen des Or. Schinz, die ja meist auf Hörensagen beruhen, entsprechen den Tatsachen nicht in jeder Beziehung. So irrt er sogleich in bezug

auf die Anfänge dieser Kriege, die mit der Einwanderung der Herero

aus dem nördlichen Kaokofeld begonnen haben sollen. Die östlichen Herero wohnten schon lange in den Gegenden von Gobabis bis zum Ngami-

See, ehe die Kaoko-Herero mit den Nama in Berührung kamen usw. Doch

zur Sache.

Obwohl Hereroland nie, wie andere Teile Afrikas, Sklavenjäger gesehen hat, so ist es doch ein Land, in dem furchtbar viel Blul vergossen worden ist. Es gibt kaum einen Ort und kaum eine Wasserstelle, wo man nicht auf dem Staub und den Gebeinen gefallener Herero wandelt.

Schon 1800 und früher waren die östlichen Herero mit den Matabelen nnd Betschuanen am Ngami-See in Krieg verwickelt. Alte, hundertjährige Herero, wie Vingava, erzählten mir 1873:Unsere Väter wohnten schon lange Zeit auf Otjimbinde in der Mitte der Omaheke gelegen, jetzt Chanze, nicht zu verwechseln mit Otjombindi am oberen Epukiro. Hier gerieten sie mit den Ovatjauana (Betschuanen) zusammen. Die Hirten stahlen ein­ander das Vieh ab. Der Krieg begann, die Ovatjauana jagten die Herero zurück bis Epako und Etemba, wo viele Herero wohnten. Der Kamps entbrannte nun heftiger, die Herero trieben die Ovatjauana bis in die Sumpfgegend am Ngami-See zurück. Hier kamen diesen die Matabelen zur