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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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Möchten Deutschlands Kolonisten in Hereroland die Buschleute menschlicher und christlicher behandeln und sie zu brauchbaren Menschen erziehen. Hier wäre noch viel zu tun, auch sür die Mission.

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Zwölftes Kapitel.

Die Hcrero hatten in dem Zeitabschnitt von 1835 IKK» außer ihrem Vieh keine Bedürfnisse. Sie lebten von dem Ertrag ihrer Herden, sie kleideten sich in Felle, hatten als Waffen Speer, Bogen und Keule; dazu hölzerne Spaten und Stöcke zum Graben ihrer Brunnen; kleine eiserne Beile zum Verfertigen ihrer Milcheimer, Tranktröge und Dornkraale kauften sie von den Ovambo, ebenso Arm- und Beinringe. Eiserne Pfeilspitzen sowie Stein­messer machten sie sich selbst. Gewehre kannten sie nicht. Das erste Gewehr, welches sie sahen, hatten sie nach den Aussagen Kukuris, des alten Häuptlings von Otjosazu, im Krieg mit den Matabele erbeutet; sie wußten nichts damit anzufangen und ließen Eisenperlen daraus schmieden. Der erste Herero, welcher 1846 bei Missionar Hugo Hahn ein eisernes Beil und einen eisernen Spaten kaufte, um Tabaksbau zu treiben, hieß Kapekaha, ein armer Schlucker; zu meiner Zeit war er durch Tabaksbau ein reicher Herdenbesitzer geworden. Pferde und Wagen hatten die Herero bis 1840 auch noch nicht gesehen. Die ersten Reiter, die ihnen zu Gesicht kamen, es waren Nama, hielten sie für Strauße, wie Maharero mir aus seiner Jugend erzählte; sie seien erstaunt gewesen, als sich die Strauße in zwei Teile gelöst hätten, in einen Menschen

und ein ong'ono (Gnu). Erst 1850 fingen die Frauen an, ihre Hüte mit

Eisenblechperlen zu schmücken; das Jahr nennen sie osovitnnAU, osovitencku. Jahr der Blech- und Eisenperlen. Kupferne Arm- und Beinringe, Leibchen von Straußeneierschalen, desgleichen Kopfmuscheln, erhielten sie von den Ovambo. Den Häuptling Tjamnaha nannten sie wegen seiner vielen kupfernen Fußringe leoopertobt.

Im Jahre 1835 hatte sich Jonker Afrikaner auf Windhuk nieder­

gelassen. Eine Menge englischer Händler wie Morries, Bergwel, Carew u. a. folgten ihm, befriedigten seine Gelüste nach Branntwein, Waffen und Munition und gaben ihm auf Kredit, soviel er wollte. Um seine Schulden zu bezahlen, fing Jonker an, die Herero auszurauben. Es ist in der Geschichte dieser Völker bezeichnend, daß bei den Händlern der Anlaß zu dem ersten Raubkrieg liegt, in dem die Herero, weil schlechter bewaffnet, unterlagen