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Zehntes Kapitel.
Die Sergäcrmrcr.
Bevor ich zu den freundlichen und feindlichen Berührungen der Herero mit ihren Nachbarvölkern und den Weißen, zu Handel und Kriegen, übergehe, ist es nötig, erst noch ein kurzes Wort über zwei Völkerschaften zu sagen, die unter ihnen bezw. an ihren Grenzen wohnen, die Bergdamra und die Buschmänner.
Die Bergdamra sind ein besonderer Volksstamm und von den Herero, Nama und Buschmännern ganz verschieden. Sie sind in keiner Weise mit den umwohnenden Bantuvölkern verwandt und reine Neger. Was ihre Herkunft, ihre Vergangenheit und ihre ehemalige Sprache anbelangt, sind sie ein dunkles Rätsel. Ob sie mit den sogenannten Ovatua im Norden von alters her verwandt sind, wer weiß es? Die Herero nennen sie ovuriorotuu, d. h. Schwarze, nicht zu den Herero Gehörige; daher die kürzere Bezeichnung ovatnu, die aber nicht: Sklaven, sondern: Nicht zu den Herero Gehörige, Fremde bedeutet. Im Unterschied von den Viehdamra, d. i. den Herero, nannten die Nama sie Bergdamra, weil sie kein Großvieh, sondern nur Kleinvieh züchteten und in den Bergen lebten. Sie selbst nennen sich Iiauklloin, d. h. Menschen.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Bergdamra schon den größten Teil des Landes bewohnten, noch ehe die Herero und Nama in dieses kamen. Ihre früheren Wohnsitze erstreckten sich nach allen Anzeichen bis an den Orangefluß. Von dort wurden sie von den aus dem Süden der Kapkolonie weichenden Nama nach dem Norden gedrängt. Im Hererolande haben sie, ehe die Herero vor etwa 150 Jahren mit ihnen in Berührung kamen, in starken Werften gewohnt. Die eigentliche Unterjochung der Bergdamra ging von den Nama aus. Als im Jahre 1791 die ersten Weißen sich den Grenzen des Hererolandes näherten, fanden sie die Bergdamra in den Auas- bergen nördlich von Rehoboth. Sie hatten nur wenig Kleinvieh und lebten von Wild, Beeren, Heuschrecken und Baumharz. Hernach sind sie auch von den Herero unterjocht worden. Als die ersten Missionare 1842 ins Land kamen, fanden sie die Bergdamra schon als Knechte der Nama und Herero zerstreut im Lande wohnen. Ihre damaligen wie heutigen Hauptwohnsitze waren die Berge zwischen Rehoboth und Otjimbingue und die Berggelände bis hinauf nach dem Erongo und Omatjo-Gebirge, ja bis Waterberg und Otjivandatjongue. In den östlichen Gebieten sind die damaligen weißen Jäger ihnen nicht begegnet.
Die Anzahl der Bergdamra mag in den Jahren 1840 etwa 20000 betragen haben. Ihre Vermehrung war den Herero gegenüber eine sehr geringe.