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Nachtrag zu Kap. VIII, Nr. IL S. I»L.
Über die Zauberer sei noch ein Wort zugefügt. Sie spielten ehemals eine große Rolle bei dem Volk, bis ihr Ansehen immer mehr sank. Es gab ihrer vier Arten.
An erster Stelle stand der Medizinmann (oinuxun^ö), von durch Zauberei heilen, der nach dem Glauben der Herero nicht nur heilen, sondern auch töten konnte. Er heilte die Kranken durch Entzauberung (Iiuliuru); dabei wurde ein Tier geschlachtet und geopfert (siehe Opfer).
Dem Omupange lag weiter die Pflicht ob. Regen zu machen; er konnte aber auch den Regen verscheuchen, und zwar mittelst des Omukaravizebusches. Er weihte auch die Kalabasse ein (okulruilpna).
Die zweite Art waren die (Zauberer). Die Worte
oiissUllAL (Sing.) und onssUMg, (Perlhuhn), haben jedoch nichts miteinander gemeinsani. Die MOUKUNssa waren bis in die Neuzeit die gefährlichsten
Menschen. Ihre Kunst bestand in der Giftmischerei. Ihr gefürchtetstes
Gift, das ounMNA-g., war aus Medizinkräutern bereitet. Die Herero schwuren bei diesem Gift: „Iiiäss (mussu!" Nein, bei dem Gift, d. h. des
Zauberers. Ein on^uiiM wurde von seinem Vorgänger geweiht; doch es würde zu weit führen, diesen Weiheakt zu beschreiben.
Zum dritten kamen die vMiiäM. Diese waren früher die mächtigsten Zauberer, und ihr Amt war oft mit dem des Häuptlings verbunden. Zuletzt galten sie nichts mehr.
Endlich die ovaüks, die Wahrsager. Auch diese spielten früher eine ziemlich große Rolle. Sie hatten das Los zu werfen. Unter dem rechten Knie trugen sie, an ein Riemchen gebunden, 4—6 eiserne Perlen. Mittelst dieser Perlen suchten sie einen schuldigen Missetäter herauszufinden. Die Perlen (otuviö, verschieden von otüvio, Messer) wurden dabei in der stachen linken Hand hin und her gewürfelt und hießen dann orwmtzste (Treffer). Je nachdem sie nach diesem oder jenem Finger, die ihre bestimmte Namen und Bedeutung hatten, liefen, „trafen", gaben sie den Schuldigen an.