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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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U. Geisterglaube un6 Oämonenfurcht.

Nicht allem große Leute, sondern auch ganz gewöhnliche Menschen stehen nach dem Glauben der Herero nach ihrem Tode wieder auf und erscheinen als Gespenster (ovirnrii), in der Gestalt eines Werwolfes, eines Hundes mit Ochsenfüßen, einer Katze mit Hnndefüßen usw. Der eine Geist hat die Augen hinten am Kopf, der andere auf dem Rücken; alle aber verüben all das Böse, was sie auch schon im Leben begangen hatten, weiter sind sie Ausbünde menschlicher Bosheit und Schlechtigkeit; sie stehlen und rauben nicht allein Vieh, schlachten und verspeisen es, sondern auch Frauen, heiraten sie und haben Kinder mit ihnen,wahre Scheusale", sagt der Herero. Die Fabeln der Herero erzählen von guten und bösen Dämonen und Gespenstern. Herero- land ist eben auch eine Domäne der Finsternis; darüber könnte ich aus den Erlebnissen mit den Leuten manches berichten, was dem Leser unglaublich er­scheinen würde. Ich könnte manche Fälle anführen, die ich selbst mit erlebt habe, und auch andere Weiße könnten es.

Um den Einfluß der abgeschiedenen Geister unschädlich zu machen, bringen die Herero ihnen Opfer. Wie alle Naturvölker, so sind auch die Herero einem finsteren Gespensterglauben unterworfen. Die Furcht bildet überall den Hauptbeweggrund bei den Kundgebungen ihres religiösen Lebens, und dieses Furchtgefühl gibt auch dem Ahnenkultus ein unheimliches Gepräge. Von ihren Ahnen, noch vielmehr aber von den abgeschiedenen bösen Geistern haben sie nur Schlimmes zu befürchten. Vertrauensvoll blicken sie nie zu ihren Göttern auf. Der Trieb der Selbsterhaltnng jedoch drängt sie zu dem Wunsche, mit den Mächten, die über sie Gewalt habe», einen günstigen Ausgleich herzustellen, durch allerlei Opfer ihre Gunst zu gewinnen oder durch Zauberer und Zaubermittel sich ihrer zu erwehren. Sie sind jedoch auch vor den Zauberern und ihren Nachstellungen in beständiger Furcht. Diese sind es, die den größten Vorteil aus dem Geisterglauben ziehen, indem sie sich für ihre Kunst gut bezahlen lassen, die doch nur darin besteht, den Teufel durch Beelzebub auszutreiben.'

12. Aberglaube.

Wenn auch das Religionswesen der Herero sich als eine Unsumme von Aberglauben darstellt, so darf doch nicht übersehen werden, daß auch dieser Afterglaube immerhin Glauben und nicht Unglauben ist. Aberglauben durch­drängt aber nicht nur die Herero, sondern auch manche Kreise christlich zivilisierter Völker. Es ist auffallend, wie im Hercrolande eine Anzahl aber­gläubischer Vorstellungen und Gebräuche vorkommen, welche die Herero mit vielen Völkern, auch mit den Deutschen, teilen. Wären sie vor zweihundert Jahren mit weißen Völkern in Berührung gekommen, so könnte man annehmen,

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