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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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8. Legräbms.

Der Tote wird nicht, wie bei uns, gewaschen und rein gekleidet. Bei den Heiden ist es Brauch, daß den Leichen das Rückgrat durchhauen wird; denn nach ihrem Glauben befindet sich in diesem ein stivn, Wurm, Seele, der erst herauskriechen muß; andernfalls wird der Tote zu einem Gespenst und er­scheint den Menschen als Plagegeist. Der Leichnam wird darauf zusammen­gebunden, den Kopf zwischen die Knie, und in Felle gewickelt. Die Sandalen und die Pfeife des Toten werden beigelegt. So kann er jetzt begraben werden. Im allgemeinen begraben die Herero ihre Toten, besonders Häuptlinge, im Schatten eines Kameeldornbaumes, omnliivirikuu (Gepriesener) oder omusnvsr' omuöucko (Gräber liebender). Das Grab wird 6-8 Fuß tief gegraben, mit einer Nische an der Nordseite, und durch Totenopfer geweiht (vgl. diese). In diese Nische wird der Tote hineingesetzt, das Gesicht nach Nordosten hin, weil dort die alte Heimat der Herero sich befindet. Die Nische wird dann mit Holz zugestellt und das Grab zugeworfen. Darauf wird die Totenklage (oiiäoro) gehalten. Die Trauernden tragen dabei Trauermantel und -Mützen (objiM'itzo). Der Pontok des Toten aber bleibt leer stehen, bis er verfällt. Bei den Frauen und Kindern, die ohne weiteres begraben werden, fallen die Opfer weg, nur der Klagegesang wird gehalten. Bei Arme», Knechten und Mägden fällt alles weg. In späteren Zeiten, als die christliche Sitte auch unter den Heiden Anklang fand, ließen sich die Häuptlinge und Reichen auch in einem schönen Sarge begraben. Nach dem Tode und Begräbnis eines Häuptlings oder Großen zieht die ganze Werft drei Jahre lang im Feld um­her, von einem Platz zum andern, und bringt von Zeit zu Zeit an seinem Grabe die bestimmten Opfer.

S. Srcrbcjenkmal.

Das Grabdenkmal besteht aus vielen, auf Bäumen in der Nähe des Grabes aufeinandergeschichteten Ochsenschädeln der Ozongondjoza-Ochsen; oft sind es 3060 Geweihe. Aber nicht alle Herero haben Ochsengeweihe als Denkmal. Das richtet sich vielmehr nach dem Symbol der oruM, Kaste. Die Oruzo Maharero hat das Knddu zum Symbol und darum Kudduhörner auf dem Grabe; andere haben Schafgeweihe usw.

Der Häuptling Zeraua war der erste, der in einem Sarg begraben wurde; Mahareros Grab erhielt ein eisernes Gitter. Ihre Todesjahre haben darum den Epochennamen: Jahr des Sarges und Jahr des Eisengitters.

10. Nuferstehungsglaube.

Als man den religiösen Ahnendienst der Herero noch nicht näher kannte, hat man oft gesagt, die Herero glauben nicht an ein Fortleben nach dem

Jrle, Die Herero. <)