den Geschmack an Mehl, Reis, Kaffee, Zucker und Branntwein verleiden. So verschwand wohl die Nacktheit ihrer Körper, aber ihre Gärten gerieten auch in Verfall, Weizen wurde nicht mehr gebaut, und die Viehkraale wurden leerer. Ob ihnen da die europäische Kultur mit ihren Zugaben nicht mehr genommen als gebracht hat?
S. Alter, Krankheit un6 Oocl.
Das Hereroland ist ein gesundes Land, die Menschen werden darin alt. Ich habe viele Herero gekannt, die 80—100 Jahre alt waren. Auch der weiße Mann kann dort alt werden, wenn er mäßig und keusch lebt. Bei dem unzüchtigen Leben der Herero ist es eigentlich zu verwundern, daß sie so alt werden. Das Klima, die reine, bazillensreie Luft, die naturgemäße Nahrung, die sorgenfreie Gemütsart müssen zu jenem das Gegengewicht bieten. Es ist auffallend, wie wenige Krankheiten unter den Leuten vorkommen. Schwindsucht und Wassersucht treten nur selten auf, Lungenentzündung (olioko), öfter, jedoch selten mit tödlichen Verlauf. Gebrechen von der Geburt her, wie Krüppelhaftigkeit, Wasserkopf, Blindheit, sieht man höchst selten, Wahnsinn fast nie. Dagegen fehlen Hautkrankheiten nie. Die ansteckende Syphilis kommt häufig vor. Die Herero behaupten, diese und eine ähnliche Krankheit früher nicht gekannt zu haben, sie hätten sie erst von den Mama überkommen. In ihrem Sprachschatz haben sie auch kein Wort dafür, sie nennen sie mit dem Namawort Otjiuavua. So viel ist gewiß, daß diese Krankheiten jetzt bei dem polygamischen Eheleben bei beiderlei Geschlecht einen guten Nährboden finden. Doch sieht man selten, daß Kinder syphilitisch zur Welt kommen. Die Krankheit zeigt sich in Augen-, Ohren- und Zahnfleischentzündungen. Auch dann zeigen die Leute eine große Widerstandskraft dagegen. Geschwüre wie die schwarzen Blattern (otjinckimsiu), Furunkel, Karbunkel (nssnu), sind auch nicht selten. Jene bekommen sie regelmäßig nach dem Genuß Milzbrandkranker Tiere. Oft haben sie den Tod zur Folge. Die Rose kennt man auch nicht, ebensowenig Keuchhusten und Rachenbräune, eher schon die schwarzen Pocken, die dann meist auch tödlich verlausen. Im Jahre 1864 bekamen sie diese von den Nama. Lymphe und Impfung kannte man nicht; viele Nama und Herero starben darum an der Seuche, viele freilich genasen auch. Wasserpocken sind auch dort nicht gefährlich. Die am ehesten noch epidemisch auftretende Krankheit ist auch im Hererolande das Malariafieber, dieser besondere Feind der Weißen fast überall in den Tropen. Ich hatte 1874 mit meiner Familie M/s Monate lang Malaria, aber auch sämtliche Bewohner des Platzes lagen daran darnieder. Chinin hatten wir nicht und kannten es auch noch nicht. Doch kein Todesfall kam vor. Mit dem Gebrauch des Chinin mehrten sich auch die Malariafälle. Vollends gilt das vom Schwarzwasserfieber. Bis zum Jahre 1890 kannten wir dieses überhaupt nicht. Auch die Jäger am