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Baumes und der Wurzel des Omindjozu-Strauchs keinen andern Gerbstoff haben. Höchst interessant ist es, zuzusehen, wie der Herero die rohen Tierselle bearbeitet, sie zuerst in Kuhmist einweicht, enthaart, mit Fett und Dickmilch einreibt, mit den Händen zieht und ausreckt, mit den Fußen stampft, daß ihm der Schweiß von der Stirne rinnt, dabei mit dem Fell schwatzt und schimpft, daran zieht und es am Abend in die feuchte Erde vergräbt. Am andern Tage geht das Verfahren von neuem an, bis das harte Fell weich ist. Darauf wird es in die Gerblohe gesteckt, gegerbt, wieder mit Fett und Butter angerieben und gewalkt, bis es beinahe trocken ist. Endlich wird es von einigen Leuten gereckt, auf die Erde ausgespannt und mit Holznägeln zum Trocknen sestgepfählt. Aus diesem Leder verfertigen die Männer ihre Feldschuhe, Hosen, Jacken und Hungerriemen, und aus einer etwas härteren Ochsenhaut die Ochsenriemen. Die Ochsenfelle zum Schlafen, die zum Zudecken und die Mäntel behalten die Haare. Für ihre Schuhe brauchen sie keinen Leisten, für ihre Kleider keine Muster zum Zuschneiden. Als Nadeln dienten ihnen spitze Dornen; Zwirn machen sie sich aus Tiersehnen. Die Männer nähen die Kleider, die Frauen die Mäntel und Schlaffelle. Besondere Mühe legen die Frauen auf das Verfertigen ihrer dreispitzigen Mützen, ihrer
Schleier und Mäntel. Jene werden aus Kalbfellen, diese aus Schaffellen gemacht. Die drei spitz auslaufenden, bei den Mbanderu herzförmigen, steifen, durchscheinenden, in die Höhe stehenden Aufsätze der Mützen werden fein genäht und verziert. Die Frauenmäntel aus Schaffellen sind ebenso zierlich genäht und mit Eisenperlen besetzt. Eine Hererofrau mit ihrer selbstgemachten Mütze, ihrem Mantel, ihren vielen Arm- und Fußringen, mit
ihren vielen Halsperlen, mit ihrem Leibchen aus Straußeneierschalenplättchen, dazu tüchtig mit Fett und rotem Oker eingesalbt, gebärdet sich ebenso stolz wie eine europäische Dame in seidenen Kleidern und Hut mit afrikanischer Straußenfeder! Das Frauenleibchen mit seinen Hunderten runder Plättchen aus Straußeneierschalen, die, auf Tiersehnenfaden gereiht, zu einem Ganzen verbunden sind, stellt übrigens auch ein Stück Kunstwerk der Frauen dar.
Auch die Töpferei wurde früher betrieben. Man fand in jeder Werft kleine und große selbstgemachte Tontöpfe vor. Die Herero bereiteten diese
aus dem feinen Lehm der Termitenhaufen, den sie kneteten, zu einem Topf
formten, mit glatten Knochen glätteten und in einem tiefen Loch in dem Boden mit trockenem Kuhmist von außen und innen ausbrannten. Die Glasur wurde durch Fett ersetzt. Diese Töpfe waren jedoch sehr zerbrechlich und wurden daher bald durch eiserne vom Kap her verdrängt.
ö. Spiel, Oan?, Ndusik.
Um das hieran anzuschließen, so waren den Herero auch Spiel, Tanz, Musik und Gesang bei ihren Festlichkeiten nicht fremd. Gerade die Tänze erfreuten