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noch trinken. Stirbt ein Kalb, so läßt sich die Kuh nicht mehr melken. Wird den Kälbern zu viel Milch entzogen, so gehen sie im Sommer ein. Auch das Melken ist ein Stück Arbeit und bedarf Herero-Verstand. Die Kälber benutzt die Hererojugend als Reittiere. Ein Stück Holz durch den Nasenknorpel des Tieres mit einem Riemen daran bildet den Zaum, der nackte Rücken den Sattel. So werden die Herero schon frühe tüchtige Reiter und führen oft Wettrennen aus.
4. isiianckwerke.
Von Handwerkern in unserm Sinn kann bei den Herero nicht die Rede sein. Das Wort dafür fehlt in ihrem Sprachschatz. Ein Handwerker ist
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Uuluris werft auf Stfofazu mit pontots und rehinsteinhäufern.
eben ein Arbeiter (omnun^urs) wie jeder andere. Anlage und Geschick zum Handwerk finden sich aber auch bei ihnen. Die Jünglinge, die in den Werkstätten der Missionskolonie schmieden und schreinern, Wagenbau und Büchsenmacherei lernten, brachten es immerhin zu einer gewissen Fertigkeit. Unter Anleitung ihrer Meister bauten sie vollständige neue Wagen, selbständig jedoch wurden sie nicht.
Die Herero sind, wie die meisten Bantuvölker, kulturlos und doch külturbedürftig. Ihre bienenkorbartigen Hütten, die übrigens doch auch mit Kunst gebaut sind, vertauschten sie zum Teil bald mit Lehmsteinhäusern. In Okahandja, -Otjosazu, Omaruru, wo überall 1870 weder Haus noch Garten zu sehen war, standen einige Jahrzehnte später eine Menge von Lehmsteinhäusern, welche sich die Leute selbst gebaut hatten. Gewehre freilich und Wagen ließen sie sich von den Weißen machen. Speere, Scheren, Messer,