Wort: „tu puo oder „tnuÄo"! Gib mir Tabak, stopfe mir die
Pfeife. In früheren Jahren bauten sie sich selbst ihren Tabak, d. h. sie ließen ihn durch ihre Knechte bauen. Arme Leute (ovatfimlm) taten es selbst und erzielten aus dem Verkauf einen oft stattlichen Gewinn. Eine Rolle von 5 Pfund Tabak galt oft den fettesten Hammel oder einen zweijährigen Ochsen. 1880—86 konnten sie des Krieges wegen keinen Tabak bauen, zahlten dafür aber den Händlern für 3—5 Stücke Plattentabak oft eine Ziege oder ein Schaf. Auch die Frauen, ja selbst Knaben und Mädchen von sechs bis acht Jahren rauchen leidenschaftlich. Früher benutzten sie dazu Stcinpfeifen oder auch jeden beliebigen hohlen Knochen; jeder war dabei mit Tabaksbeutel und Feuerdose ausgerüstet. Die „Kultur" hat beides zugunsten der Streichhölzer und hölzernen Pfeifen verdrängt.
Ihre Weise des „Tabaktrinkens" ist abstoßend; sie ziehen den Rauch ein und blasen ihn durch die Nase wieder aus. Ost lassen sie sich auch von Händlern aus deren Pfeife den Nikotinsatz geben, mischen ihn mit trockenem Kuhmist und rauchen so. Die Folgen sind häufig Betäubung und Zuckungen, in denen solch ein Tabakstriuker wie ein Halbtoter auf der Erde liegt. In Gesellschaft geht die Pfeife des einen von Mund zu Mund; sehr oft stecken dabei die mit ekelhaften Hautkrankheiten Behafteten die andern au. Vielen sind daher Lippen und Zahnfleisch infolge syphilitischer Erkrankung schwarz und blau.
2. Arbeit unck Teit.
Arbeit in dem Sinne, wie wir das Wort verstehen, ist dem Herero, dem reichen wie dem armen, eigentlich eine Schande und Dummheit. Was er darüber denkt, hat 1869 jene Hererochristin auf Otjikango, die im Hause des Missionars aufgewachsen war, deutlich ausgesprochen. Sie sagte: „Meinst du, wir Herero seien so töricht, wie ihr seid? Wir arbeiten uns den Rücken nicht krumm wie ihr. Wir haben Milch genug und können ohne schwere Arbeit leben."
So war es in früheren Zeiten, als noch kein Herero durch die Not gezwungen war, Arbeit zu suchen. Ihre Viehherden waren ihnen die Hauptsache. Wenn sie daneben doch etwas Tabak- oder Gartenbau trieben, so mußte der Ertrag auch nur, zur Vermehrung der Herden dienen. Im übrigen war es so: Wer Nahrung genug hatte, der lebte ohne Sorgen; wer nichts zu essen hatte, ging betteln. Erst die Mission hat einen Anfang zur Änderung darin gemacht; sie führte zunächst die Gartenarbeit allgemein ein; sie lehrte dann die Schwarzen auch Schmiederei und Wagenbauerei. Missionar Hugo Hahn brachte Missionskolonisten, Schmiede und Wagenbauer, ins Land (vgl. später), und unter seiner strengen Zucht lernten die jungen Leute auch das Nötige. Als sie aber hernach verheiratet waren und ihren eigenen Vieh-
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