Print 
Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
Place and Date of Creation
Page
113
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

113

Kalabasse, der Opferstock (otMn), die heiligen Ahnenstäbe (orioiiäums), der Opferkorb (orunM-g,), die heiligen Sandalen, Speere, Bogen, Pfeile, Kirris und Stöcke der Urahnen (oMdon^uk), das Beschneidungsmesser (oliso) und ein altes heiliges Opferochsenfell, auf dem der Häuptling schläft. Dazu kommen allenfalls noch einige Gewehre, eine Munitions- und eine Kleiderkiste. Eine der jüngeren Frauen sorgt für peinlichste Reinhaltung dieses Raumes, der nicht selten bis an 3 na Durchmesser hat. Häufig ist er auch von innen mit Lehm ausgeschmiert und der Fußboden mit Lehm und Mist festgestampft. Die übrigen Pontoks liegen im Kreise um den großen Viehkraal der Werft herum. Die ganze Anlage ist zum Schutze mit einer hohen Dornenhecke umgeben. Häufig haben sich zwei oder drei kleinere Familienkraale in der Nähe der Häuptlingswerft angebaut, so daß je nach der Jahreszeit dann wohl 200 bis 700 Menschen zusammenwohnen.

2. Nahrung.

Die längste Zeit des Jahres hindurch besteht die Nahrung der Herero aus Dickmilch (oinuirs), da sie als Nomadenvolk eben von ihrem Vieh leben. Jedes Glied der Familie hat für diese Milch seinen eigenen Kalabaß und hält streng darauf, daß ihn kein anderer benutzt. Fleisch wird außer bei besonderen festlichen Gelegenheiten, wie Beschneidungs- und Hochzeitsfesten, nur selten gegessen. Es find immer Ausnahmen, wenn der Werftbesitzer außer der Zeit ein Stück Vieh schlachtet, oder es muß in dürren Jahren der Mangel an Milch und Feldfrüchten dazu treiben. In guten Jahren reicht eben die Dickmilch von Januar bis zum September aus; dann gibt's wieder frisch­melke Kühe und damit süße Milch im Überfluß. Durch gute Zucht, worin der Herero Meister ist, sorgt er, daß stets zu rechter Zeit seine Kühe soweit sind. Infolge des Überflusses an Dickmilch in dieser Zeit waschen die Herero damit sogar ihre Kleider, wie ich oft gesehen habe. Auch auf Butterbereitung aus Süßmilch verstehen sie sich. Sie lassen letztere in einem mächtigen Butterkalabaß (onäutzuu) gerinnen, hängen diesen mit Riemen an einem Gestell von Pfählen auf und schütteln ihn so lange hin und her, bis die Butter fertig ist. Schade nur, daß sie diese nicht zum Genuß, sondern nur zum Einschmieren ihrer Leiber und Felle und zur Seifen- bereitung verwenden.

In guten Jahren bietet auch das Feld dem Herero reichlich andere Nahrungsmittel dazu, z. B. die oinckjss (Zwiebclchen), oviuakui oder OMiia (wilde Kartoffeln), 020 indg.ni (Erdnüsse), die den Kastanien ähnlich sehen, und Beeren der wilden Rosinen (oinanäjsniböi's oder o^oiiAuincki), eine Art saurer Kirschen. Wenn viel davon wächst, essen selbst die Reichen viele Feldkost" und lassen die Kuhmilch den Kälbern, die dick und fett davon werden. Auch Knechte und Mägde haben in solchen Jahren ein gutes Leben,

Jrle, Die Herero. 8