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die Zauberer: „Wenn Maharero stirbt, geht die Welt unter, bricht auseinander, näustu Iinuika. Ein Kind, das während der Krankheit Mahareros geboren wurde, erhielt darum den Namen näutin, die Welt bricht auseinander. Nach Mahareros Tode geschah freilich solches nicht. Daher nannte ein Vater sein kurz nachher geborenes Kind dem Zauberer zum Trotz knriuirs, der Himmel fällt nicht auf die Erde! Ein anderes nannte man stntouss, die Welt geht nicht unter! Alle drei Mädchen sind 1903 auf Otjosazu getauft worden. Einflußreiche Herero geben dem Kinde auch Namen nach anderen angesehenen Männern, so daß es dann oft fünf bis sechs Namen hat. Das heißen sie dann i'ukna omsmu, Namenbenennung.
Nach der Namengebung wird ein Mutterkalb (ouAOmde cmüsins,) an den Altar geführt und die Stirn des Kindes mit der des Tieres in Berührung gebracht. Das Tier ist nun des Kindes erstes Eigentum und unverkäuflich. Damit ist das Kind ein rechter Nomade, ein omustei'Si'o geworden; das Kalb aber ist der heilige Grundstock seiner späteren Herden. Jetzt ist die Zeremonie beendet, nnd die Mutter kehrt mit dem Kinde in ihr eigenes Haus zurück. Das Wöchnerinnenhaus bleibt stehen,, bis es zusammenfällt; kein Stückchen darf davon weggenommen oder verbrannt werde»; denn: i es ist heilig, verboten!
4. Lwillingsgeburt.
Ein seltenes und darum besonders glückverheißendes nnd freudiges Ereignis ist für den Herero die Geburt von Zwillingen. Sind es Knaben, so erhält der Vater dadurch große Vorrechte vor anderen. Die Zeremonien sind in solchem Falle noch weit größer wie bei der einfachen Geburt. Sobald festgestellt ist, daß es Zwillinge (spustn, omapalm) sind, verlassen alle anwesenden Frauen schweigend das Haus. Die Eltern selbst sind heilig und dürfen bis zu einer gewissen Zeit mit Niemandem sprechen, Niemanden grüßen noch gegrüßt werden. Die Übertretung dieser Regel hat Unglück zur Folge. Nach der Geburt kriecht eine der Hebammen aus der Hütte und schreit, wenn es Knaben sind: „Xnti, lluti. sknuts. uvsvuri," d. h. Land, Land, zwei Bogenschützen! Bei Mädchen heißt der Ruf: „OstuEi uvövnri," zwei Zwiebelchen, Zwiebelgräberinnen. Sobald der Vater den Ruf hört, verläßt er in Begleitung zweier Männer schweigend die Werft. Diese haben ihm unterdessen außerhalb der Werft schon eine Hütte zurecht gemacht und bedienen ihn. Ebenso folgt die Frau, von zwei Dienerinnen begleitet, mit ihren Zwillingen schweigend. Jedes Zögern oder Verweilen würde schweres Unglück über die ganze Werft bringen. Etwaige andere Kinder der Eltern bleiben in der Werft und dürfen nicht zu ihnen gehn. Jeder etwa anwesende Fremdling muß schnell und schweigend die Werft verlassen.