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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
Entstehung
Seite
53
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Die von Westen her, von dem Kaokofeld und der Walfischbai (otjomdinäg, - Seehundsplatz), im Swakop- und Kuisibtal heraufziehenden Herero stießen bei Rehoboth und Gibeon auf die Nama und drängten sie zurück. Das weitere hierüber gehört in die Geschichte ihrer Kriege.

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Zweites Capitel.

Ursprung unä äußere Erscheinung.

Bevor wir darangehen, ein Bild des Volkes, seines Denkens, Tuns und Treibens zu zeichnen, sei eine Vorbemerkung zum besseren Verständnis des Folgenden vorangeschickt. Wer sich der Aufgabe unterziehen will, eine Schilderung des Hererovolkes zu geben, der befindet sich etwa in gleicher Lage wie der Photograph, der von hier nach dorten kommt und mit den Acht­und Schattenwirkungen dort noch nicht vertraut ist. Da wird ihm gar leicht bei zu langer Belichtung sein Negativ ganz dunkel, so daß hernach die dunkeln Negergesichter fast weiß aussehen. Das wäre bei der Schilderung also die Gefahr des Schönsürbens. Andrerseits geschieht es leicht und es ist oft geschehen daß man namentlich bei kurzem Aufenthalte im Lande nur die schlechten Eigenschaften der Herero entdeckt und etwaige edle Züge übersieht. Das ist um so leichter, als diese sich in der Regel unter dem Schmutz und Wust des Heidentums verstecken. Durch den jahrzehntelangen Umgang mit dem Volke und seinen Anschauungen und Sitten vertraut, hoffen wir ein möglichst wahrheitsgetreues Bild desselben geben zu können.

Wir beginnen mit dem, was die Herero selbst über ihre Abstammung denken, um gleich daran eine Schilderung ihrer äußeren Erscheinung an­zuschließen.

Die Abstammung der.Herero ist dunkel. Nach dunkeln Sagen sollen ihre Stammeltern aus einem Baume, omunidoi'omlxiiiZ's,, entsprungen sein. (Siehe S. l8.) Die Namen dieser waren Mnkuru und Kamangnrnnga. Karunga Ndjambi (Gott) hatte sie mit weißer Hautfarbe geschaffen, übergoß aber zur Strafe für ihre Sünden ihren ersten Sohn mit schwarzer Farbe. Auffallend ist übrigens, daß so manche Hererokinder, wenn sie zur Welt kommen, fast weiße Hautfarbe haben und erst nach sechs bis acht Wochen schwarzbraun werden.

Die äußere Erscheinung der Herero macht, namentlich den andern Mbandern-Stämmen, den Ovambo und Betschuanen gegenüber, einen statt­lichen, kraftvollen Eindruck. Nicht selten sieht man unter den Männern Gestalten von 6 Fuß Länge, und besonders unter den Kindern und jungem