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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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guter Konsequenz bis in die Einzelheiten von dem früheren An- siedelungskommissar Dr. Rohrbach in seinem ersten Bande der Deutschen Kolonialwirtschaft*) entwickelt worden. Dass ein solches Programm jedoch mit einem Schlage durchgeführt werden könnte, scheitert an der Nüchternheit der Finanzverhältnisse im Reiche und an der Tatsache, dass das Schutzgebiet künftig die Anlagekosten selbst verzinsen und amortisieren muss. Es wird Auf­gabe sorgfältiger Prüfung sein müssen, aus der grossen Fülle des Möglichen und Wünschenswerten das für die Erschliessung Not­wendige und bei der Finanzlage des Reiches und der Kolonie Er­reichbare herauszufinden. Dass dabei grosszügige Gesichtspunkte leitend sein müssen, und dass man nicht von heute auf morgen einen Rentabilitätserfolg erwarten darf, ist ein selbstverständliches Erfordernis, denn falsche Sparsamkeit würde auch hier nur iden­tisch sein mit Vergeudung. Es würde dies in besonderem Masse von einem aus Sparsamkeitsrücksichten geschehenen Aufrecht­erhalten des Staatsbahnbetriebes in seiner jetzigen Form gelten. Die Bahn ist von der Truppe als Feldbahn gebaut und hat als solche ihren Zweck voll erfüllt. Als dauernde Anlage ist sie schlechterdings unmöglich, da sie mit einem abnormen Betriebs­und Abnutzungsaufwand arbeiten muss, wie er durch den schwachen Unterbau und das dadurch bedingte schwache rollende Material sowie durch die Art der Linienführung schon jetzt be­wirkt wird und von Jahr zu Jahr mehr bewirkt werden müsste.

b) Der Schiffsverkehr.

Der Passagier- und Frachtdienst nach und aus dem Schutz­gebiet, wie er sich aus den bereits geschilderten dürftigen An­fängen heraus jetzt entwickelt hat, genügt, was die Häufigkeit der Verkehrsmöglichkeiten anbetrifft, den billigerweise zu stellenden Anforderungen. Von den Verkehrsbedingungen kann man das Gleiche nicht uneingeschränkt behaupten.

Von Hamburg aus wird . durch die deutsche Ostafrika-Linie (die Woermann-Linie und die Hamburg-Amerika-Linie) ein drei­wöchentlicher Passagierdienst aufrecht erhalten. Die Dampfer laufen sowohl in westlich wie östlich beginnenden Rundfahrten

*) Vgl. die Abhandlg. d. Verfassers in No. 488 d. Hamb. Nachr. 1908; 2. Morg.-Ausg.