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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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zu wirken. Deshalb müssen wir alle Kräfte daran setzen, deutsche Geisteskultur zu verbreiten, der ganzen Menschheit zugänglich, sie zum Allgemeingut zu machen. Möglich ist dies nur, wenn die Pioniere des Deutschtums überall in der Welt auf dem Posten sind, wenn sie sich ihrer Pflichten gegen ihr Volkstum bewusst bleiben. In dem uns Weissen zugänglichen Teile Afrikas, in Südafrika, sind wir Südwestafrikaner diejenigen, in deren Händen die Zukunft des Deutschtums ruht. Bleiben wir dessen stets eingedenk, halten wir uns fern von allen fremden Einflüssen und Bestrebungen, be­wahren wir uns ein rein deutsches Denken und Fühlen, rein deutsche Kultur! Unsere Kinder dürfen vor allem der alten deutschen Heimat nicht entfremdet, dürfen keine Afrikander werden. Senden wir sie, wenigstens wer es vermag, heim übers Meer, solange wir hier noch nicht genügend deutsche höhere Schulen haben, damit das geistige Band zwischen Deutschland und dem Schutzgebiet nie gelockert werde. Erst wenn so in Südwestafrika ein rein deutsch denkendes, fühlendes und sprechendes grosses Volk entsanden ist, werden wir fähig sein, unsere Aufgabe in Südafrika zu erfüllen, nicht in politischer Beziehung, aber in geistiger und kultureller Hinsicht das Deutschtum zu verbreiten, unseren Mitsüdafrikanern das Beste zu vermitteln, was wir besitzen.

Volkscharakter und Volksleben.

In den ersten Jahren deutscher Schutzherrschaft waren es nicht immer erfreuliche Schilderungen, die über Art und Leben der Deutschen in Südwest in die Heimat drangen. Nicht nur die Inter­essen sondern auch die Personen sind zweifellos heftig aufeinander gestossen. Diese Erscheinung ist keine Eigenart allein deutscher Kolonien, sie findet sich in gleicher Weise bei allen andern Kolonial­völkern. Es ist äusserst interessant zu verfolgen, wie gerade auch in den englischen Kolonien anfänglich der Charakter der weissen Bevölkerung harte und rauhe Aussenseiten zeigte. Besonders stark scheint die Freude am sogenannten Kolonialklatsch verbreitet ge­wesen zu sein. Francois führt hierüber bittere Klage.*)Wie ein starker Regen, nur teilweise Belehrung schaffend, teilweise aber gallig und giftig, strömte beschriebenes Papier aus der Kolonie in die heimischen Bureaus, Redaktionen und die Mappen der Kolonialfreunde und -gegner. Es gab nur wenige des Schreibens kundige Deutsche in der Kolonie, die nicht auf irgend eine Weise

*) Vgl. C. von Frangois, Deutsch-Südwest-Afrika S. 42.