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kleinere für die Hereros, beide zweckentsprechend eingerichtet. Leider wird der Gesundheitszustand durch die Ungunst der natürlichen Verhältnisse beeinträchtigt. Tsumeb ist von Malaria heimgesucht. Die Gesellschaft unterhält ein Lazarett für Weisse, eins für Eingeborene und einen Arzt. Die Ovambos leiden schwer unter Pocken, die sich aber glücklicherweise nur selten auf die andere Bevölkerung übertragen. Das Arbeitermaterial wird in der Hauptsache von den Ovambos gestellt, daneben arbeiten aber auch einige hundert Hereros. Die komplizierteren Arbeiten werden von Weissen ausgeführt; da unter ihnen viele europäische Südländer, Italiener usw. sich finden, herrscht oft ein recht lebhafter, hart an dasRowdy- tum grenzender Verkehrston. Schwerere Unzuträglichkeiten sind bis jetzt nicht vorgekommen, immerhin erscheint die polizeiliche Besetzung von Tsumeb mit ganzen zwei Polizeisergeanten im Hinblick auf die Masse und Zusammensetzung der Bevölkerung genau so, als ob gar kein Beamter da wäre. —
Von Tsumeb 20 Kilometer nordwestlich gelangt man zum Otjikotosee, einem in steiler Felsbildung völlig versteckten, etwa 100 Meter breiten Wasserbecken. Vom Otjikoto führt über die Wasserstelle Dinaib und die Farmi Nagusib, der nördlichsten im ganzen Lande, durch dichten Busch ein früher schlechter, jetzt aber recht guter Weg nach
Namutoni.
Namutoni ist die äusserste Feste an der Grenze des Ambolandes. Zuerst 1900/01 zur Ueberwachung der Jagd und zur Verhinderung des Schmuggels mit Waffen und Munition, dann als Absperrposten in der Zeit der Rinderpest benutzt, hat die kleine, durch Oberleutnant Volkmann und Oberarzt Dr. Jodtka von Grootfontein aus erbaute Station zu Beginn des Hererofeldzuges schwere Stunden erlebt. Die drei Farmer der weiteren Umgebung hatten sich in die Feste gerettet, vor der am 28. Januar 1904 etwa 800 Ovambos unter dem Unterhäuptling Jukute erschienen. Die Ovambos versuchten die Feste zu nehmen, aber die kleine Besatzung von 6 Mann unter Unteroffizier Grossmann nebst den drei Farmern hielt den stundenlangen Ansturm aus. Gegen Abend zogen die Ovambos unter Zurücklassung von 108 Toten ab. Die Besatzung ging in der Nacht wegen Munitionsmangels südwärts zurück. Die Station wurde später von den Ovambos verbrannt. Erst im Dezember 1904 wurde Namutoni erneut besetzt. Im Februar 1905 wurde unter Oberleutnant Fürst, dann unter Graf von Saurma-Jeltsch der Bau