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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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Franzfontein,

ein vom völkerschaftlichen Standpunkt aus nicht uninteressanter, früher Ombombo genannter Platz. Wie bereits angedeutet, war Franzfontein der schliessliche Sitz der Zwartboihottentotten, die von Rehoboth aus sich nordwärts durchgeschlagen hatten. Der an­fänglich sehr geschwächte, seit 1891 von der Rheinischen Mission geförderte Stamm hatte sich nach und nach wieder erholt. Im Jahre 1894 stellte sich der Stamm freiwillig unter deutschen Schutz, indem er einige Abgesandte nach Windhuk schickte, wo Assessor von Lindequist einen Schutzvertrag mit ihnen aufsetzte. Ein Jahr später bestätigte Leutwein in Outjo die getroffenen Ab­machungen und regelte mit den dahin gekommenen Grossleuten der Zwartbois den in Franzfontein ausgebrochenen Streit um die Kapitänswürde dahin, dass er David Zwartboi als Kapitän einsetzte. Dessen ungeachtet blieb eine Rivalität zwischen David und dem anderen Prätendenten, seinem Vetter Lazarus, bestehen, die dem Stamm als solchen äusserst verhängnisvoll wurde. 1897 musste die deutsche Truppe in diese Streitereien eingreifen. Nach mehrfachen Zusammenstössen wurde der ganze Stamm nach Windhuk ge­bracht. Damit war Franzfontein entvölkert und es behielt nur noch als Depotplatz und Station der Truppe Bedeutung. 1900 wurde das Distriktskommando in eine einfache Polizeistation um­gewandelt. Während des Hereroaufstandes wurde die noch vor­handene eingeborene Bevölkerung zur Verhütung ihres Anschlusses an die Aufständischen durch Leutnant Schmidt aus Outjo ent­waffnet, die Besatzung wurde verstärkt. Gegenwärtig ist Franz­fontein bedeutungslos.

Von Otjitambi nordwestlich führt eine Strasse über Otjomi- runga nach

Zesfontein.

Zesfontein ist anfang 1901 als Station von Leutwein gegründet wor­den. Bis dahin war der Platz lediglich Sitz eines von der Kuiseb- mündung hierher verschlagenen Hottentottenstammes, der Topnaars, die sich von der portugiesischen Grenze aus durch Jagdzüge be­drängt fühlten. Ihr Gesuch um Ueberlassung von Munition und Waffen wurde von Leutwein abgelehnt, dagegen wurde zu ihrem Schutze eine Station mit dem Oberleutnant Schultze als ersten Distriktschef dahin verlegt. Im Hottetottenfeldzuge wurde der Neigung der Topnaars zum Abfall durch ihre rechtzeitige Ent­waffnung von Outjo aus wirksam begegnet. Ein Zesfonteiner

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