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eindrucksvoller Turm kündet jetzt die Erinnerung an diese schwere Zeit. Noch lange nach dem Entsatz hat Omaruru unter dem Zeichen des Krieges gestanden, wenn schon es nicht mehr gefährdet war. Am Ende des Feldzuges sammelten sich mit Hilfe der Mission bei Omburo dem Aufrufe des Gouverneurs von Lindequist folgend die Reste der Hereros. Ihr Häuptling Manasse entkam nach langen Irrfahrten nach Walfischbai und von dort nach Johannesburg.
Obwohl im Jahre 1908 die in Omaruru stehende Kompagnie weggenommen worden ist, wird der Ort seine Bedeutung behalten. Es herrscht unter der Bevölkerung ein lebhafter Drang nach vorwärts, wie er sich in der jüngsten Zeit auch wieder in der Gründung einer Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaft! bekundet hat. Die 1909 erfolgte Verlegung eines Bezirksgerichts nach Omaruru wird den Verkehr am Orte und damit dessen wirtschaftliche Lage zweifellos auch günstig beeinflussen. —
Westlich von Omaruru, ebenfalls am Rivier, liegt der Platz Okambahe.
Hereros, Zwartboihottentotten und die aus den Erongobergen austretenden Bergdamaras haben lange miteinander um den Besitz der Gegend gerungen, bis sie sich nach und nach als Sammelstelle der Bergdamaras entwickelt hat. Die von Rehoboth hergekommenen Zwartbois schlugen sich weiter nach Norden durch, wo sie in der Gegend von Franzfontein als völkerschaftliche Merkwürdigkeit sitzen blieben; die Hereros zogen sich mehr nach Omaruru zu zusammen, wenn schon sie Land und Leute von Okambahe auch dann noch als ihrer Herrschaft unterstehend betrachteten. Dies wurde erst anders, als Okambahe, der „Platz, wo die Giraffe lebt“, im Jahre 1894 offiziell in deutschen Besitz und damit aus der Sklaverei der Hereros frei kam. Wohl hatte schon seit 1870 die Rheinische Mission das Verhältnis zwischen den Hereros und dem Bergdamarastamm von Omaruru wesentlich gemildert, aber es bestanden doch eben noch eine Tributpflicht des letzteren und eine Oberhoheit des ersteren weiter. Der Häuptling von Okambahe, Cornelius, wandte sich an Leutwein, der daraufhin seine Ende November 1894 gegen Manasse in Omaruru unternommene. Straf- expedition benutzte, um Okambahe an die deutsche Regierung abtreten zu lassen. Okambahe ist seitdem ein Bergdamara-Reservat geblieben, das heute noch in Cornelius einen selbständigen Kapitän hat. Der Platz mit seinen 12 Weissen ist wirtschaftlich unbedeutend. Auch die Bergdamaras sitzen nicht geschlossen auf