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steigern können, denn von den Farmen hat der weitaus grösste Teil, der völlig neu in Bewirtschaftung genommen ist, noch nicht die erwünschten und möglichen Nachzuchtergebnisse. Die weisse Bevölkerung hat nach dem Feldzuge schnell zugenommen. Ausschliesslich des Militärs sind 361 Weisse vorhanden; auf jeden Kopf der weissen Bevölkerung kommen etwa 11 Eingeborene. Neben vereinzelten Ovambos, Hottentotten, Bastards und Buschleuten halten sich im Distrikt etwa 1500 Hereros und 2300 Berg- damaras auf. Der wirtschaftliche Mittelpunkt des Distrikts ist der Ort Omaruru.
Als Bahnstation, Sitz der Distriktsverwaltung, Missionsplatz und bis vor kurzem Garnisonort einer Kompagnie ist der Ort das gegebene Verkehrs- und Einkaufszentrum des Distrikts.
Omaruru, der „Ort mit dem salzig-bitteren Wasser“, liegt in der Ebene des gleichnamigen Riviers zu beiden Seiten des nicht besonders breiten, aber fast immer Wasser führenden Flussbettes. Der Ort hat etwas mehr als 100 weisse Einwohner und macht mit seinen hellen, aus dem Grün der Bäume und Gärten hervorlugenden Häusern einen freundlichen Eindruck. Als Sitz der viehreichen Westhereros ist Omaruru Händlern schon seit vielen Jahren ein begehrter Platz gewesen und hat als Stapelort für den Hererofeldhandel vor der Zeit der deutschen Besitzergreifung eine gewisse Bedeutung gehabt. 1867 liess sich der Missionskolonist Redecker auf Okozondje (Skorpionenort), so hiess früher der jetzt Omaruru genannte Platz, vorübergehend nieder. Missionar Brincker folgte ihm alsbald von Otjikango aus mit mehreren Eingeborenen und gründete die Missionsstation Omaruru. Auf dem Platz sassen damals eine grosse Anzahl Hereros, mehrere Bastardfamilien und einige weisse Händler: Schweden und Engländer. Der Schwede Erikson, der ursprünglich in Verbindung mit Andersson, nach dessen 1867 erfolgtem Tode aber allein einen schwunghaften Handel vom Kapland aus bis zum Kunene betrieb, unterhielt hier einen Zwischenstapel seiner Handelswaren. Die Gegend war früher noch volkreicher gewesen. Ein Bergdamarastamm hatte ursprünglich hier gesessen, war aber 1869 westwärts nach Okambahe abgewandert, um sich der Bedrückung durch die Hereros zu entziehen. Der Stamm ist auch in Okambahe noch längere Zeit unter der Hörigkeit der Hereros geblieben. Die Bedeutung Omarurus als Handelspunkt liess nach, als leistungsfähige deutsche Händler sich in Otjimbingwe niederliessen, so dass zur Zeit der Errichtung der