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Nicht ganz so gross und noch weniger entwickelt als Karibib ist die zweite im Bezirk gelegene Ortschaft,
der Ort Usakos.
Noch vor kurzem bedeutete Usakos weiter nichts als die Bezeichnung einer auch jetzt noch so genannten am Khan gelegenen Farm; als Niederlassung ist es eine Schöpfung der Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft. Die Entwickelung setzte im Jahre 1905 mit dem Eintreffen der Bahn ein. Der Ort ist wirtschaftlich und zum grossen Teile auch persönlich abhängig von der Gesellschaft. Ausser den Wohnstätten der im Betriebe der Bahn angestellten Beamten und Arbeiter hat Usakos mehrere Warenhäuser, zwei Hotels, zweier Bäckereien und einige kleine Handlungen. Die Verhältnisse am Platz sind nicht ungesund, und die Einwohner nehmen lebhaft teil an den Fragen des allgemeinen Wohls. Eine Wasserleitung (Hochreservoir), von der Gesellschaft angelegt, arbeitet zufriedenstellend. Die geringen örtlichen Verwaltungsgeschäfte besorgt bislang eine Polizeistation. Die Rheinische Mission hat ein Wohn- und Schulgebäude errichtet und ist seelsorgerisch für Weisse und Eingeborene tätig. Im ganzen wohnen rund 300 Weisse am Orte, Angestellte und Arbeiter der Otavibahn, die im letzten Jahre ihre neu errichtete Eisenbahn-Betriebsinspektion hierher verlegt hat. Seit Jahresfrist ist der Ort vom Bezirksamt Swakopmund dem zu Karibib angegliedert worden. —
Der Bezirk liegt in seiner vollen Ausdehnung auch nach Westen zu noch in farmbarem Gelände, wennschon einzelne Teile nicht als vollwertig betrachtet werden können. Andererseits aber finden sich auch gerade wieder im Westen Gegenden, in denen die schwierigste Gattung der südwestafrikanischen Tierzucht, die Pferdezucht, mit Aussicht auf Erfolg betrieben werden kann. Die früher oft behauptete völlige Sterbefreiheit einiger Plätze, wie Tsaobis u. a. scheint freilich keine absolut sichere Tatsache zu sein. Von den 48 Farmen des Bezirks liegen einige noch brach, jedoch sind mehrere, so z. B. Kaltenhausen, Okakoara u. a. in mustergiltigem, fast deutscher Gutswirtschaft ähnlichem Zustande. Kartoffel- und Gemüsebau ist an vielen Stellen möglich, und eine Genossenschaft zur Verwertung landwirtschaftlicher Produkte ist mit Erfolg um die Regelung des Absatzes bemüht. Der ganze Bezirk hat etwa 800 weisse Einwohner, von Eingeborenen leben in ihm ausser einigen Bastards 2000 Bergdamaras, 1500 Hereros und 600 Hottentotten. Der Viehbestand der Farmen ist nicht
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