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der Ort Karibib.
Am Südausgang des Erongogebirges breitet sich der Ort in weitester Bauart längs der Bahn in einem weiten flachen Kalkbecken. Zur Zeit der Errichtung der deutschen Schutzherrschaft sassen in der Gegend einige wenige Bastardfamilien, vorübergehend auch Hereros, welche den Platz Otjotambume nannten. Die ganze Umgebung des jetzigen Ortes wurde in einer Ausdehnung von 24 000 Hektar Besitztum des Missionskolonisten Hälbich in Otjimbingwe durch Kauf von Zacharias Zerana. 1898 zog der Sohn Hälbichs von Otjimbingwe her die Viehposten in das Weidefeld von Karibib zusammen und brachte dabei zu der geringen vorhandenen Bevölkerung auch Bergdamaras an den Platz. Das war das ganze Karibib, als sich der Schienenstrang von Swakopmund ihm näherte. Der 30. Mai 1900 wurde der Geburtstag des Ortes; die Bahnlinie erreichte an diesem Tage Karibib, der Bau eines stattlichen Bahnhofs wurde alsbald in Angriff genommen, Werkstätten und Betriebsgebäude wurden hierher verlegt, Geschäftshäuser und Wohnhäuser entstanden, und das alles so schnell, dass schon im Jahre 1901 sich eine eigene Zivilverwaltung nötig machte. Der Hereroaufstand Hess den Ort, dessen Einwohner sich gut und stark verschanzt hatten, unberührt, nur in der Umgegend traten räubernde Hererobanden auf. 1905/06 erhielt Karibib auch Anschluss an die in einer Entfernung von 14 Kilometern vorüberführende Otavibahn, und zwar durch eine nach Onguati gelegte Zwischenverbindung. Der Ort war im Feldzug ein wichtiger militärischer Platz für den Truppen- und Güterverkehr und noch nach dem Feldzuge behielt er diese Bedeutung für längere Zeit, insbesondere als Sitz des militärischen Nordbezirks. Gegenwärtig hat er nach Verlegung des Nordbezirks eine wesentliche militärische Bedeutung nicht mehr, allenfalls könnte man dies von dem mehrere Kilometer entfernten grossen Pferdeposten Okawaio behaupten. Als Ueber- nachtungsstation der Staatsbahn hat der Ort einen regen Verkehr, und er macht äusserlich den Eindruck eines freundlichen aufblühenden Städtchens. Der früher oft störend empfundene Mangel an Wasser ist durch die Uslarsche Wünschelrute behoben, und eine schöne, grosse Wasseranlage, der Kaiser Wilhelmsbrunnen, spendet das erwünschte Nass. Von den 368 weissen Einwohnern sind die grössere Hälfte Beamte sowie Angestellte und Arbeiter der Bahn. Seit 1. April 1907 hat der Ort seine eigene Schule, die evangelische Seelsorge wird von der Rheinischen Mission geübt.