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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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quantitativ und qualitativ noch sehr entwicklungsfähig. Der Haupt­wert liegt in der Rindviehzucht, auf 24 Farmen wird in kleinem oder grösserem Umfange auch Pferdezucht getrieben. Gute Er­folge sind auch mit Kleinviehzucht zu erreichen. An Viehbeständen waren vorhanden etwa 12 000 Stück Rindvieh, 23 000 Stück Fleisch­schafe, 2600 Stück Wollschafe, 13 500 Stück gewöhnliche Ziegen, 750 Stück Angoraziegen, 1300 Pferde, 2300 Stück Maul­esel und Esel, 7500 Stück Geflügel, 300 Schweine und 17 Strausse, ein Bestand, der einen schätzungsweisen Gesamtwert von 3 600 000 Mark repräsentiert. Entwicklungsfähig sind auch die Neben­betriebe der Farmwirtschaft, wenn schon auch hier Fortschritte zu verzeichnen sind; so arbeiteten beispielsweise in der Milch­wirtschaft 23 Zentrifugen, aber die 12 000 Kilogramm Butter, die im letzten Jahre verkauft wurden, könnten gut auf das doppelte steigen, ebenso die 36 500 Liter Milch. In beträchtlichem Um­fange ist ausser auf den Kleinsiedlungsplätzen auch auf den Farmen Ackerbau möglich. Mais und Kürbis finden als Nahrungsmittel für Eingeborene guten Absatz, der Anbau von Kartoffeln und Gemüsen verspricht Erfolg, und ganz ausgezeichnete Erträge liefert in der Windhuker Gegend der dort angepflanzte Wein. Ein böser Feind ersteht allerdings der Acker- und Gartenwirtschaft in der Heuschreckenplage. Ein einziger Zug wandernder Heuschrecken vermag die Frucht monatelangen Fleisses in wenigen Stunden zu vernichten.

Wirtschaftlich etwa unter den gleichen Bedingungen wie der Bezirk Windhuk lebt der nördlich angrenzende

Distrikt Okahandja.

Völkerschaftlich war der Distrikt der Hauptsitz der Hereros, wenn schon selbst bis hierher die Vorstösse der Hottentotten nach­haltig fühlbar geworden sind.

Von Ovikokorero her verlaufen in der Richtung von Nord­osten nach Südwesten die Anfänge des Swakopriviers durch den Distrikt. Südlich von Okahandja bildet der Swakop eine schöne, dicht bewaldete Niederung, in welcher der ehemalige Hererositz Otjisasu liegt. Neben Gebäuden der einstigen Missionsstation zeugen die Reste der früheren Gartenanlagen von der Fruchtbar­keit des Platzes. Nördlich von Otjisasu kommt man in das Gebiet der aus dem Hererofeldzug bekannten Gefechtsstellen von Ongan- jira, Oviumbo und Ovikokorero, südöstlich von Otjisasu gelangt