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bereits jetzt einen recht beachtlichen Stand erreicht, sowohl quantitativ wie qualitativ. Der hauptsächlichste Grund hierfür ist in dem Umstand zu erkennen, dass von allen Gegenden der Distrikt Rehoboth von den letzten Unruhen am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Es stehen im Distrikt 12 000 Stück Rinder, 34 000 Stück Fleischschafe, 2000 Stück Wollschafe, 1200 Stück Angoraziegen, 41 000 Stück gewöhnliche Ziegen und 1600 Pferde. Zu etwa 50 Prozent stehen die Tiere im Besitze der Bastards und zum kleinen Teil der anderen Eingeborenen, von denen etwa 2000 Bergdamaras und 4000 Hottentotten im Distrikte leben. Eine noch intensivere Bewirtschaftung des Distrikts wird möglich werden, wenn der natürliche und durch kein Mittel aufzuhaltende Verarmungsprozess der Bastards deren Land in noch grösserem Umfange als bisher in deutsche Hände übergehen lassen wird.
Aus dem Bastardland gelangt man durch das Auasgebirge hindurch in
den Bezirk Windhuk.
Das Gebirge selbst, in das man bei Aris eintritt, gehört in das Gebiet des Bezirkes, der sich westlich von den Ausläufern der Auasberge an über das Komashochland hinweg bis zu den Otji- haverabergen erstreckt, nördlich bis an die Onjatiberge und den schwarzen Nossob reicht. Die Ostgrenze verläuft diesseits des weissen Nossob. Der Bezirk umfasste früher auch die jetzigen selbständigen Distrikte Rehoboth und Okahandja. ln seiner heutigen Ausdehnung war der Bezirk vor und bei Beginn der deutschen Schutzherrschaft ein von den Hottentotten wie von den Hereros gleich sehnsüchtig begehrtes Land. Tatsächlich war die Gegend mehr ein Besitz der Hottentotten als ein solcher der Hereros. Das Deutschtum ist in dem Gebiete ziemlich frühzeitig aufgetreten, und zwar zunächst an
dem Ort Windhuk.
Der Platz hiess bei den Hottentotten Eikhams (Feuerwasser), nach den heissen Quellen, die hier zahlreich in einer Temperatur von über 70 Grad Celsius tief aus dem Erdinnern hervortreten, und die früher das Land in eine dicht bewachsene Sumpflandschaft verwandelt haben. Die heutige Benennung des Ortes ist burisch- holländischen Ursprungs (Hoek-Ecke) und ist seit vielen Jahrzehnten gebräuchlich, so dass kaum noch Hoffnung auf eine