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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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unmittelbare Umgebung des feuchten Flussbettes lockt eigent­lich nicht zum Anbauen. Jenseits des Riviers, auf der Höhe, wohnt es sich besser. Die Rheinische Mission hat hier ihre Kirche, die katholische Mission der Oblaten ihre Kirche und ihre sonstigen Anlagen. Das Elisabetheim, ein äusserst eindrucksvoller Bau, seit 1907 als Wöchnerinnenheim errichtet, hat hier auf der Höhe einen passenden Platz gefunden. Auch die Landespolizei hat sich in jüngster Zeit auf luftiger Höhe etabliert, nachdem bereits früher der Gouvernements-Fuhrpark nebst Tieren, die sogenannte Gou- vernementswerft, ebenfalls jenseits des Riviers eine Unterkunft gefunden hatte.

Die wirtschaftliche Lage am Ort muss als günstig bezeichnet werden. Wohl erleidet der freie geschäftliche Umsatz insofern eine gewisse Einbusse, als der stärkste Konsument am Platze, die Beamtenschaft, sich im Beamtenklub zu einer Selbstbezugs- Genossenschaft für die meisten täglichen Bedürfnisse zusammen­geschlossen hat. Gleichwohl muss der Umsatz als bedeutend bezeichnet werden, denn Windhuk ist Durchgangs- und Ausgangs­platz für fast die gesamte nach der Mitte, dem Osten und dem Norden des Schutzgebiets vor sich gehenden Einwanderung mit lebhaftestem Personen- und Güterverkehr. Das geschäftliche, ge­sellschaftliche und öffentliche Leben hat einen flotten Zug. Die natürlichen Lebensbedingungen sind nicht ungünstig. Wohl ist der in einigen Monaten des Jahres am Nachmittag mit gewisser Regelmässigkeit einsetzende Sturm wegen der mitgeführten Staub­und Sandmassen störend, aber die Luft ist sonst hier in 1700 Meter Höhe klar und rein; das Wasser, seit 1906/07 in eine Hoch- diuckleitung zusammengefasst, ist kalkhaltig aber gesundheitlich einwandfrei. Die geschaffenen und gewordenen Lebensbedingungen ermöglichen manche Annehmlichkeiten, die an andern Plätzen des Landes undenkbar sind, so dass die Lebenshaltung sich vielfach in den gewohnten europäischen Formen bewegen kann, vielleicht manchmal mehr als es nützlich ist. Es wird gut und viel am Orte gearbeitet, aber es wird nicht weniger gut und vielgelebt.

Durch einen Höhenzug von Windhuk getrennt erstreckt sich in einem dicht bewachsenen malerischen Rivier als geographisch und wirtschaftlich jetzt völlig selbständige Siedlungsstelle der Ort Klein-Windhuk.

Abgesehen von dem vorübergehenden Aufenthalt des Missio­nar Schröder und der Truppe ist Klein-Windhuk eine Schöpfung