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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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in einer an das Oanobrivier angrenzenden Fläche, rings um warme Quellen gruppiert. Das äussere Bild wird beherrscht durch die schöne neue Missionskirche, die aus eigenen Mitteln der Bastards gebaut und 1908 eingeweiht wurde. Der Führer der Bastards auf ihrer ehemaligen Wanderung, Missionar Heidinann, ist seit kurzem in den Ruhestand getreten, sein Nachfolger Blecher arbeitet mit bestem Erfolg. Von den Weissen, die in einer Kopfzahl von etwa 100 am Platze leben, sind die meisten Kaufleute, Händler, Gast­wirte und Frachtfahrer mit ihren Angehörigen. Die Zahl der am Platze sitzenden Bastards schwankt innerhalb eines Jahres erheb­lich, bald ziehen sich mehr, bald weniger nach derHauptstadt des Landes; der ganze Distrikt wird etwa 2500 Bastards auf- weisen, während die gesamte weisse Bevölkerung sich auf 188 Köpfe beläuft. Nach Rehoboth ist der bevölkertste Platz des Distrikts K u b , im Süden an der Strasse nach Gibeon gelegen. Ein Polizeidepot ist hier seit zwei Jahren untergebracht. Neben Kub hat als Platz eine gewisse Bedeutung noch Hoachanas, im Westen des Distrikts, wenn schon sie mehr in der Vergangenheit aL in der Gegenwart liegt.

Hoachanas

war vor Jahrzehnten ein nicht unbedeutender Platz. 1853 hatte Missionar Volmer hier im Bereich der unter dem Häuptling Oasib sitzenden Roten Nation eine Missionsstation gegründet. Er baute die nötigen Unterkunftsräume und 1857 eine Kapelle. Hoachanas wurde damals als der Hauptsitz der Hottentotten von deren Häuptlingen betrachtet, und 1858 waren hier Witboi, Zwartboi, Amraal, Christian David von Bethanien und Paul Goliath von Berseba versammelt, um die gegen­seitigen Fehden durch ein Abkommen zu beenden. Dieser Friede dauerte freilich nicht lange. 1863 begann wieder der Krieg aller gegen alle, der 1867 den Platz Hoachanas und der Niederlassung Volmers ein Ende bereitete. Sechs Jahre später fasste die Mis­sion in Hoachanas wieder festen Fuss, der Häuptling Barnabas nahm sie freundlich auf, und es gelang dem Missionar Heider, sich längere Zeit zu halten, bis die 1880 von Gobabis aus zwischen den Hereros und den Hottentotten ausbrechenden Feindseligkeiten erneut den Platz auf zwei Jahre verschwinden Hessen. Von Juni 1882 ab bemühte sich Missionar Judt mit Erfolg Hoachanas zu erhalten. Als der Hererofeldzug ausbrach, hatten die Hottentotten von Hoachanas Neigung, sich anzuschliessen. Die aus dem Süden