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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
Entstehung
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an, und heute liegt er wieder still und ruhig im Talkessel des Fischflussriviers, als seien die Stürme der letzten Jahre spurlos an ihm vorübergegangen. Auf sanfter Höhe gen Osten thront nach wie vor die alte Feste. Es ist gut, dass sie zu ihren eigent­lichen Zwecken nicht mehr gebraucht wird, denn so gewaltig und romantisch sie sich an ihrer den ganzen Platz beherrschenden Stelle auch ausnimmt, so wenig Widerstand vermöchte ihr morsches und verwittertes Mauerwerk zu leisten. Die alte Missionskirche freilich und das Haus Witbois stehen nicht mehr, sie sind in die Luft gesprengt worden,aus strategischen Gründen, um den Hottentotten bei einem Angriff auf die Feste keinen Rückhalt zu gewähren, dafür sind andere neue Gebäude entstanden und mit der zunehmenden Besiedlung des Bezirks wird das jetzt ruhige ge­schäftliche Leben frischere Formen annehmen, wie das auf andern Gebieten bereits zu verzeichnen ist. Ein neugegründeter Farmer­verein nimmt nachhaltig die wirtschaftlichen Interessen seiner Mit­glieder wahr, ein Schützenverein sorgt für gesellige Veranstal­tungen, und auch der Sport hat bereits in der Veranstal­tung von Rennen durch den Reiterverein eine Pflegestätte in Gibeon gefunden. Wirtschaftlich wird Gibeon immer der Mittel­punkt des Bezirkes bleiben, wenn nicht eine Bahn Windhuk-Keet- manshoop einen andern Zentralpunkt schafft.

Für den nordwestlichen Teil des Bezirks, den Distrikt Maltahöhe,

bildet einen gewissen Mittelpunkt der gleichnamige Platz. Er ist eine Gründung des Bezirksamtmanns von Burgsdorff, genannt nach dessen Gattin Malta geb. von Dallwitz und seit 1900 Sitz eines dem Bezirksamt Gibeon unterstellten Distriktsamtes. Der Platz ist als solcher unbedeutend, aber er konnte sich im Hottentotten­aufstand neben Gibeon halten. Zwei bis drei Kaufläden, das Distriktsamt und ein Unterkunftshaus für Offiziere sind die ein­zigen festen Gebäude. Die Kompagnie, die bis 1908 hier stand, wohnte zum Teil in Zelten, zum Teil hatte sie sich aus rohen Fels­stücken ebenso billig als geschickt Behausungen errichtet, bei deren Anblick man lebhaft an die Zeit der Troglodyten erinnert wurde. Ein stark belegter Friedhof mahnt an die schwere Zeit des letzten Feldzugs. Nachdem die Kompagnie Maltahöhe ver­lassen hat, wird es noch stiller am Platze werden, aber dem Distrikt kann man getrost eine gute Zukunft Voraussagen. Nörd­lich erstreckt sich der Distrikt bis zum Naukluftgebirge und die bis