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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
Entstehung
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Bahnstation Garub die letzten Reste davon zeigen. Von Garub aus tritt dann die Bahn sehr bald in die Namib, die Sandwüste, ein. Dieser bislang für wertlos erachtete breite Küstenstrich hat sich in der neuesten Zeit als überaus wertvoll erwiesen, nach­dem Mitte 1908 hier unvermutet Diamantvorkommen festgestellt worden sind. Diese Vorkommen beeinflussten natürlich sofort das ganze Wirtschaftsbild des Lüderitzbuchter Bezirkes und vor allem das

des Ortes Lüderitzbucht.

Lüderitzbucht ist seiner natürlichen Lage nach die südliche Ein­gangspforte zum Schutzgebiet und in erster Linie Hafenort. Wenn man vom Süden her dem Lüderitzbucht-Gebiet sich nähert, kommt man an der Diazspitze vorbei zunächst in die Sturmvogelbucht, einen gegen alle Winde mit Ausnahme des Nordwindes geschützten, etwa 12 Meter tiefen Meereseinschnitt. An der Angraspitze vorbei tritt man dann in die eigentliche Bucht ein. Die westlich durch die Angraspitze und östlich durch die Haifischinsel markierte Einfahrt hat etwa eine Breite von 2% Kilometer. Zwischen der Haifisch- insei als südlicher und der Pinguininsel als nördlicher Marke liegt der nach Norden geschützte Roberthafen; er war die von Lüderitz gewählte Anlege- und Ansiedlungsstelle. Das Hinterland der Bucht besteht aus vegetationslosen mit Geröll und verwittertem Granit stark durchsetzten Anhöhen; hinter ihnen ein breiter Dünengürtel. Lüderitzbucht ist als Angra Pequena (kleine Bucht) seit 1486 be­kannt. Ein Holzkreuz an dem südwestlichsten Punkte des ganzen Hafengebietes kündet die durch Bartholomäus Diaz gesehene Fest­stellung des Hafens. Das Kreuz ist ein Ersatz der von Diaz seiner­zeit errichteten Granitsäule, die in das Kapstädter Museum ver­bracht worden ist. Trotz ihrer guten natürlichen Beschaffenheit ist diese Hafenstelle in der Folgezeit nur wenig aufgesucht und ausgenutzt worden. Das Hinterland bot äusserlich einen zu trost­losen Anblick, als dass es zum Betreten oder gar zu einer Nieder­lassung eingeladen hätte. Erst spät suchten von Kapstadt her vereinzelte Dampfer die Bucht auf, um einen Warenabsatz nach dem Innern zu versuchen. Die vorgelagerten Inseln wurden von Engländern ständig aufgesucht, um den dort lagernden Guano abzubauen. Die gleichen Absichten, dazu aber auch die Hoffnung, im Hinterlande wertvolle Mineralschätze aufdecken zu können, waren für den Bremer Kaufmann Adolph Lüderitz Anlass, Anfang 1883 nach jahrelanger Erwägung und Erkundung der Verhältnisse