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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
Entstehung
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Pferdedepot der Truppe die Bauleitung der Südbahn sich in Aus befand, herrschte ein äusserst reges Leben und Treiben. Seit dem Verlegen der Bauleitung nach Seeheim prophezeien die Pessi­misten in Poesie und in Prosa: mit Aus ist es aus. Nun, ganz so schlimm wird es nicht werden. Der Ort, der etwa 160 weisse Einwohner hat, wird immer seine Bedeutung behalten als günstig gelegene Bahnstation und als Einkaufszentrum eines weit aus­greifenden Farmgebietes. Die Farmer von Maltahöhe und Gibeon, die früher bei Windhuk den Frachtanschluss an die Bahn suchen mussten, kommen jetzt nach Fertigstellung der Südbahn nach dem auf viel kürzerer Strecke zu erreichenden Aus.

Südlich von Aus liegt, 1600 Meter über dem Meeresspiegel,

Kubub.

Kubub ist ein in der Wirtschaftsgeschichte des Landes nicht un­interessanter Platz. Im Aufträge der Deutschen Kolonialgesell­schaft für Südwestafrika versuchte im Jahre 1891 deren damaliger Generalvertreter Hermann hier eine Musterfarm zu schaffen. Das Unternehmen war der erste aus Reichsmitteln unterstützte farm­wirtschaftliche Betrieb; es wurden 25 000 Mk. Zuschuss gewährt. Die Anfänge waren nicht ungünstig. Im Juli 1893 hatte Hermann 4000 Wollschafe, 250 Rinder und 28 Pferde auf Kubub stehen. Da zerstörte der in das Bethanierland räubernd und mordend ein­fallende Hendrik Witboi am 5. November 1893 die ganze Nieder­lassung. Hermann konnte sich retten und fing später auf Nomtsas von neuem an; seine Anlagen und seine Viehbestände waren ver­nichtet. Der Platz blieb seitdem tot, auch die Errichtung eines Zweiggeschäftes der Kolonialgesellschaft im Jahre 1898 konnte ihm nicht wieder aufhelfen, erst im letzten Feldzug erwies sich Kubub als wertvoll. Die hier das erstemal jenseits der Namib anzu­treffenden natürlichen Vorräte an Wasser und Weide prädesti­nierten Kubub zu einem ansehnlichen Etappenort. Gegenwärtig ist der Platz wieder auf zwei Gehöfte zusammengeschrumpft, und nur noch die zerfallenen Mauern der schnell errichteten Unter­kunftsräume zeugen von der verschwundenen Etappenpracht. Kubub wird als Platz auch kaum je wieder erstehen, wohl aber ist die Umgebung, die mit etwa 30 000 Hektar der Lüderitzbucht- gesellschaft, einer Tochtergesellschaft der Kolonialgesellschaft, gehört, ein ausgezeichnetes Farmgelände.

Westlich von Kubub und Aus wird der Bestand an Futter­gras und Büschen immer ärmlicher, bis sich in der Nähe der