Geschichte.
Unsere Kenntniss von der Geschichte des Central-Sudans ist leider mehr als lückenhaft. Abgesehen von spärlichen Notizen arabischer Reisender des Mittelalters, wie Ibn Batuta, Makrisi und Leo Afrikanus haben wir nur die theils nach Erkundigungen, theils nach vereinzelten Handschriften gemachten Forschungen von Clapperton, Barth und Nachtigal. Damals gelang es den europäischen Reisenden noch, zu den Archiven Zutritt zu erhalten. Bei dem Misstrauen, das heutzutage aber die in ihrer Selbstständigkeit bedrohten Sudanfürsten den Europäern entgegenbringen, ist von dieser Seite her kaum noch etwas zu erwarten. Es sei daher an der Hand der bisherigen Forscher ein kurzer Ueberblick über die Geschichte des centralen Sudan gestattet.
Im Alterthum hatte die schwarze Rasse eine grössere Ausdehnung als heutzutage, sie beherrschte die Wüste. Schwarze bewohnten die Ebene am Wadi Draa, 11 ) Schwarze sassen in Fessan, sogar noch zu Makrisi’s Zeiten. 12 ) Die Garamanten, welche mit den heutigen Teda identisch sein sollen, bewohnten schon zu Herodots Zeit die östliche Sahara. 13 )
Der erste im centralen Sudan entstandene Staat ist Bornu oder vielmehr Kanem, welcher am Ende des io. Jahrhunderts gegründet wurde und zwar von Kanembu, Teda und weissen, wahrscheinlich arabischen Elementen. 14 ) Die Einwanderung in den Sudan hat wohl längere Zeiträume in Anspruch genommen. Aufschwung nahm das neue Reich mit dem Eindringen des Islam im 12. Jahrhundert und hatte zunächst Kämpfe gegen die unruhigen Wüstenbewohner zu bestehen und diese Kriege führten zur Eroberung Tibesti’s und sogar Eessan’s. Nach kurzer Bliithezeit verfiel das Reich und es fällt in die nächsten Jahrhunderte der Kampf mit dem Negerstamm der So, welche das heutige Bornu bewohnten und wohl mit den Makari, Budduma, Logonleuten, Musgu etc. verwandt gewesen sind. Der Tradition nach sind diese Stämme von Osten her gekommen. Im 14. Jahrhundert war die Kraft der So gebrochen, jedoch erst am Ende des 16. Jahrhunderts auch der Südrand der Tsade unterworfen. Im 14. und 15. Jahrhundert folgte die Vertreibung der Könige aus Kanem durch die Buläla, einem mit den kriegerischen Stämmen des Scharibeckens verwandten Negervolk, welches durch Vermischung von Arabern und Negern hervorging, 15 ) und die Einwanderung in das heutige Bornu. Am Ende des 16. Jahrhunderts erfolgte ein neuer, aber kurzer Aufschwung des Reiches; seine Grenzen wurden ausgedehnt und besonders Kanem z. Th. wieder erobert. Im 17. und 18. Jahrhundert verfiel es wieder und der Aufstand der Eulbe brachte es an den Rand des Abgrundes.
Die feigen Kanuri waren nicht im Stande, dem andrängenden Feinde zu widerstehen. Das alte Reich wäre verloren gewesen, hätten nicht die Kanembu, welche sich viel freier von Negerblut gehalten und grössere Energie bewahrt