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Charakteranlagen.
Dieselben Faktoren, welche auf den menschlichen Organismus mächtig einwirken und die anthropologischen Eigenschaften eines Volkes bedingen, sind auch bei der Ausbildung der geistigen Eigenschaften des Menschen von entscheidender Bedeutung, nämlich das Klima, die äusseren Lebensbedingungen und der damit verbundene Kampf urn’s Dasein. Demnach dürfen wir von vorn herein erwarten, an der tropischen Westküste Afrikas und in der Sahara ausserordentlich verschieden veranlagte Völker zu finden und die Thatsachen entsprechen auch dieser Voraussetzung:
Die Tropen mit ihrem feuchtwarmen, milden Klima, ihren günstigen Lebensbedingungen, dem mühelosen Dasein das sie ermöglichen, haben eine heitere, lebensfrohe, leichtlebige Bevölkerung geschaffen. Stets vergnügt, gesprächig, leicht erregbar, aber auch oberflächlich, streitsüchtig, selten ernst und nachdenkend, tritt uns der Küstenneger entgegen. Dabei verfügt der Schwarze über eine ausserordentliche Pfiffigkeit und natürliche Begabung. Mit Leichtigkeit nimmt er das auf, was ihm gezeigt wird; er ist ausserordentlich receptiv, lernt spielend, z. B. Sprachen, aber mit der eigenen Erfindungsgabe, — abgesehen von Lügen und Schwindeleien, in denen sie alle gross sind — hapert es sehr. Die Handwerke und Künste dürfte der Neger z. B. fast ohne Ausnahme aus Asien bekommen haben. Trotzdem möchte ich im Allgemeinen glauben, dass die Neger durchschnittlich an Intelligenz unserer Landbevölkerung überlegen sind, besonders in Bezug auf Schnelligkeit des Denkens und Beweglichkeit des Geistes, gegenüber den schwerfälligen, nordischen Bauern. Aber gerade das Fehlen des soliden und stätigen Moments im Charakter, welches bei letzterem so oft als Beschränktheit und Schwerfälligkeit zum Ausdruck kommt, ist für sie ein grosser Nachtheil.
In Italien hatte ich bereits den Eindruck gewonnen, dass die dortige Bevölkerung unter ihrer zu grossen Klugheit laborire, welche ihnen ein unreelles Dasein ermögliche. In Afrika ist dasselbe der Fall. So ist es denn gekommen, dass trotz der vielleicht grösseren Begabung die afrikanischen Völker in der Kultur nicht entfernt das haben erreichen können, was der schwerfällige Nordländer erreicht hat, und zwar ist es eben ihr eigener Charakter, welcher ihnen im Wege steht. Besser wäre es vielleicht zu sagen, sie haben überhaupt keinen Charakter; denn gerade das Fehlen alles dessen, was man Charakterfestigkeit, Selbstständigkeit und Ueberzeugungstreue nennt, ist an ihnen bemerkenswerth. Der kategorische Imperativ ist für sie etwas gänzlich Fremdes und Unverständliches. Jeglichen äusseren Einflüssen sind sie unterworfen, folgen ihnen unbedingt, wenn nicht Furcht vor Strafe oder Hoffnung auf Belohnung sie zurückhält. Diese Kinder des Augenblicks können nicht ordentlich hassen, aber auch nicht lieben. Ihre Stimmung wechselt proteusartig. Im Handumdrehen werden