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Adamaua : Bericht über die Expedition des Deutschen Kamerun-Komitees in den Jahren 1893/94 / von Siegfried Passarge
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Wüste transportirt, von den Tuaregs und Teda gekauft, oder gelangt bis nach Fezzan auf türkisches Gebiet.

Es wird eine Hauptaufgabe bei der Kolonisation Kameruns sein, diesen Sklavenkriegen zu steuern. Bei Besprechung Adamauas als deutscher Kolonie werde ich noch Gelegenheit haben, auf diesen Punkt zurück zu kommen.

Soziale und politische Verhältnisse.

Die sozialen und politischen Zustände der mittelsudanischen Staaten stehen auf einer, für afrikanische Verhältnisse bedeutenden Höhe.

In Adamaua zerfallen die grösseren Heidenstämme, z. B. die Durru, Dekka u. A. in zahlreiche kleinere Gruppen, welche sich gewöhnlich an einzelne Distrikte oder geographisch abgegrenzte Gebiete anschliessen. Dieselben können sich ethnographisch z. B. durch verschiedene Tätowirungen oder auch dialektisch unter einander unterscheiden. So bilden z. B. die Durru im Ssagdje-, im Galibu-, im Karnagebirge eine Gruppe für sich, ebenso wie die Durru Schi und Durru Ubaka am Abfall des südafrikanischen Plateaus. Diese grossen Distrikte bilden aber meist nicht einheitliche Staatswesen, sondern zerfallen in kleinere selbstständige, politische Gemeinden. So besuchten uns im Songo n Tagueläfi mehrere Häuptlinge der Durru Schi und jeder behauptete, der mächtigste zu sein. In Alhadji n Galibu gab es nicht weniger als drei gekrönte Häupter. Meist bildet allerdings jedes Dorf eine politische Einheit für sich. Die Regierungsform ist durchaus monarchisch, doch dürfte die thatsächliohe Macht der meisten Dorfhäuptlinge über ihre Unterthanen sehr beschränkt sein und mehr von ihrer Persönlichkeit und ihrem Reichthum als von bestimmten Rechten ab­hängig sein. Neben sich hat jeder einen Minister, der dem Kaigamma der mohamedanischen Staaten entspricht.

Was das Verhältnis der einzelnen politischen Gemeinden zu einander be­trifft, so besteht in vielen Fällen eine Abhängigkeit eines Dorfhäuptlings von einem andern, wenn man will, ein Lehnsverhältniss. So war der Häuptling von Bässille Vasall des Königs von Gangssorm und selbst wiederum Lehnsherr über andere kleinere Gebirgsdörfer. Der Häuptling von Ssagdje bat uns um Hülfe gegen einige ungetreue Vasallen, welche Distrikte im Gebirge besassen, mächtiger als er selbst waren und ihn daher nicht mehr anerkennen wollten. Praktisch bethätigt sich die Abhängigkeit der Vasallen im Zahlen jährlichen Tributs an den Oberherren; wahrscheinlich auch in Heerfolge.

Unter einander leben die einzelnen Gemeinden nicht selten in Streit und suchen sich gegenseitig durch Handstreiche Leute fortzufangen, welche sie zu Sklaven machen oder verkaufen. Jedenfalls weisen die Stämme der Ostgruppe durchweg eine ausserordentlich grosse Zersplitterung auf, welche ihre politische