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Adamaua : Bericht über die Expedition des Deutschen Kamerun-Komitees in den Jahren 1893/94 / von Siegfried Passarge
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scheint das Schaf den Heiden Adamauas ursprünglich fremd zu sein; dagegen ist die Ziege ein beliebtes und allgemein verbreitetes Hausthier, bei den Batta auf dem Saratse, den Tengelin und Durru z. B. das einzige von den Wieder­käuern. Nur ein Hausthier scheint nirgends zu fehlen, der Hund. In Adamaua ist es eine schakalähnliche, kleine, kurzhaarige, rothbraune Rasse mit hellem Bauch, die unangenehm kläfft. Die Katze kommt nirgends vor, die Zibeth- katze wird dagegen ihres Sekrets wegen zuweilen als Hausthier gehalten. 13 )

Das Huhn ist im ganzen centralen Sudan zu finden, mit einer Ausnahme, die Durru halten keine Hühner. Das Warum ist unbekannt. Aber umgekehrt, wie beim Yam, hört sofort mit dem ersten Durrudorf das Huhn auf, mit dem Verlassen des Durrulandes beginnt es wieder. Ob sie aus abergläubischer Vor­stellung es auch nicht essen, weiss ich nicht. Die Ente kommt in den Haussa- ländern als Hausthier selten vor, u ) bei den bansa Haussa von Nupe bis Koro- rofa ist sie dagegen das gewöhnlichste Hausthier. Die Haussa nennen sie so­gar Kasa n Yoruba d. h. Huhn von Yoruba. Mit dem Betreten des Gebietes der Ostgruppe verschwindet sie. Sie fehlt in ganz Adamaua, ebenso wie in Bornu. Erst am Schari finden wir sie wieder. 15 ) Gänse scheinen nirgends ge­halten zu werden, Tauben nur vereinzelt, z. B. in den Dörfern zwischen Yola und Garua. Aber Taubenschläge, wie in Bornu und den Haussaländern, 10 ) kennt man in Adamaua nicht. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass man auf hohen Bäumen, besonders Wollbäumen gern Reiher, Störche, Webervögel etc. nisten lässt, die trotz des unangenehmen, unvermeidlichen Regens, welcher auf das Gehöft und den Platz hinabtröpfelt, und trotz des nicht unerheblichen Lärms, den sie verüben, ungestört brüten dürfen. Bei den Tangale sind die Störche sogar heilig. 17 )

Der Vollständigkeit wegen sei auch das Züchten von Bienen erwähnt, dass wir besonders in dem nördlichen bis herab zu den Gebirgen des centralen Adamaua gefunden haben. Bei den Heiden wurde Bienenzucht nie beobachtet.

Industrie.

Die Industrie, welche unter den Völkern des centralen Sudan besteht, ver­dankt wohl zum weitaus grössten Theil ihre Entstehung asiatischen Einflüssen; doch liegen dieselben zum Theil sehr weit zurück. Daher kommt es, dass sich der Neger heutzutage die gelernten Künste so sehr zu eigen gemacht hat, dass sie allgemein verbreitet sind und fast als sein geistiges Eigenthum erscheinen. Nur wenige Industriezweige sind in verhältnissmässig junger Zeit in den Sudan eingedrungen und dokumentiren sich durch die Art ihrer Verbreitung als Neulinge.

Passarge, Adamaua.

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