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Adamaua : Bericht über die Expedition des Deutschen Kamerun-Komitees in den Jahren 1893/94 / von Siegfried Passarge
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Äska heisst das Tätowirmesser. Sehr häufig findet man auch kleine Narben, die von Schröpfköpfen herrühren. Als Schröpfkopf dient ein Horn, kafö oder kano. Dasselbe hat an der Spitze ein Loch, durch welches man die Luft aussaugt. Die Oeffnung wird sodann mit Wachs verschlossen.

Die beigegebenen Tafeln geben einige Proben von Tätowirungen, wie wir sie in Adamaua beobachten konnten. Die Erklärungen sind den An­merkungen zu diesem Kapitel beigefügt.

Kleidung und Bewaffnung.

Am Siidrand der Sahara zieht sich ein Gürtel von Staaten hin, in denen sich eine für afrikanische Verhältnisse ausserordentlich hohe Kultur entwickelt hat, wie sie nirgends sonst von Negerstämmen erreicht worden ist. Auch Ostafrika lässt sich nicht mit jenen vergleichen. Interessante Fragen drängen sich uns auf. Woher stammt diese Kultur? Verdankt sie ihre Existenz äusseren Ein­flüssen oder ist sie autochthon, also Eigenthum der Sudanstämme? Wieviel ist fremd und wieviel einheimisch? Oft wird es schwer, ja unmöglich sein, eine Antwort auf diese Fragen zu geben. Lebhafter Verkehr mit den Nachbar­ländern, Völkerwanderungen und -Vermischungen, Verschmelzung von alter und neuer Kultur haben höchst komplizirte Verhältnisse geschaffen. Dazu kommt, dass unsere Kenntnisse doch noch sehr mangelhaft sind, so dass man sich nur mit grosser Vorsicht an die Beantwortung dieser schwierigen Fragen wagen darf.

Die Kultur eines Volkes ist das Resultat seines Charakters und seiner Fähigkeiten und diese sollten daher bei jeder Untersuchung über die Kultur­verhältnisse eines Volkes den Ausgangspunkt bilden. Diese sind es aber zum grossen Theil gerade, welche uns die Mittel an die Hand geben, jene zu be- urtheilen; aus den Leistungen eines Volkes schliesst man erst auf gewisse Seiten seines Charakters. Deshalb muss die Besprechung jener vorausgehen. Auch für die Geschichte eines Volkes, seine Abstammung, Wanderung, Zugehörigkeit zu andern, vielleicht fernen Stämmen kann der Kulturzustand desselben beachtens- werthe Winke geben, deren Bedeutung noch lange nicht genug gewürdigt worden ist. Lebensweise, Sitten und Gebräuche werden oft mit grösserer Zähigkeit festgehalten als die Sprache.

Was dem Sudan in erster Linie seinen Charakter verleiht, ist das Ein­dringen des Islam und die damit eingetretene Veränderung, welche die ur­sprüngliche, primitive Kultur der heidnischen Negerstämme erfahren hat. Aber nicht in allen Punkten hat der Islam umgestaltend gewirkt, und es wird eine wichtige Aufgabe sein, das ursprünglich Heidnische von dem Fremden zu trennen, will man die Bedeutung der neuen Religion für die heutigen Sudanstaaten richtig beurtheilen. Wir werden sehen, dass zwar vieles uralt ist, so manches aber auch