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Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
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Chors liegt zweifellos ein Entwicklungsfortschritt. Sowohl eine bloße Nach­ahmung einer Solophrase als auch ein bloßes Bordunierenbezw. Ostinieren erfordert keine so große musikalische Selbständigkeit, als wenn ein und derselbe Chor nur einen Teil der Solophrase nachahmt, um den anderen Teil zu kontrapunktieren, tn Phonogr. Nr. 2 sind die Verhältnisse wieder etwas einfacher. Der Chor ent­nimmt der Solophrase ein Motiv und führt es als Ostinato durch den ganzen Gesang. Von der Solostimme wird dieses Motiv einigemale auf der Subdominante wiederholt. H ierdurch entstehen z. T. Quartparallelen zwischen Chor und Solo. In der Folge verschiebt sich die Solostimme in ihren oberen Tetrachord (Takt 21 ff) und bildet dadurch eine Nachahmung des Ostinatomotivs seitens der Solostimme in enger Führung auf der Oktave (Takt 24/25).

Das Phonogramm Nr. 1 bringt, soweit ersichtlich war, neben einem Ostinato-Chor noch einen Bordun-Chor. Von diesem letzteren spaltet sich im weiteren Verlauf noch ein zweiter Bordun ab, der zu dem ersten in Sekundenabstand steht. Sub­jektiv übt die Mehrstimmigkeit dieses Gesanges einen großen Reiz aus, und man gewinnt den Eindruck, hier eine recht weit vorgeschrittene polyphone Form vor sich zu haben.

Metrum und Rhythmus

Die Schwierigkeiten, das Metrum und den Rhythmus afrikanischer Melodien wiederzugeben, sind bekannt. Es wurde darum hier auch nicht das Hauptgewicht auf die Wiedergabe der zeitlichen Verhältnisse gelegt. Viele Melodien lassen mehrere metrische Auffassungen zu. Im ganzen ließen sich eine Reihe der Phono- gramme nach dem in Afrika häufigen dreiteiligen Zeitmaß ( 6 / 4 , 3 /s> 3 / 4 ) metrisch bestimmen. Andere Gesänge hatten mehr oder weniger rhapsodischen Charakter.

Die Rhythmen und Metren ließen sich von manchen Phonogrammen am Kymographion mechanisch aufzeichnen. Eine solche Methode verspricht natürlich nur dort Erfolge, wo es sich nicht um Mehrstimmigkeit handelt, wie z. B. bei Xylophon- oder Sansen-Aufnahraen.

F o r m

Die meisten der hier behandelten Phonogramme zeigen relativ einfache Formen. Daneben aber finden sich auch solche, die regelmäßigere Gliederung, und endlich ein paar Gesänge, die eine völlig geschlossene Form zeigen.

Unter den einfachen Gesängen ergeben sich dann wieder Abstufungen. So ist z. B. das Arbeitslied (Nr.47) zweifellos in der Form viel primitiver alsder Wechsel­gesang zwischen Instrument und Männerstimme (Nr. 42). Recht primitiv sind wohl die Formen der beiden Wutegesänge (10, 13 II). Immerhin zeigen sie schon ein einleitendes Solo, dasz. B.bei dem TikarphonogrammNr.37 fehlt. Eine feinere Gliederung zeigt das Bati-Liebeslied (1481). Dagegen ist die Form des Mbum- phonogramms (1484) viel einfacher.

Zumeist geht dem eigentlichen Gesang ein Vorgesang voraus. Hierdurch wird manchmal, wie z. B. in 2 II, der ganze Gesang in zwei selbständige Teile ge­gliedert.

12 Thorbeck«, Hochland ron Idittel-Kamernn III