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Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
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greifen. Die Skalen der Gruppe 2 II, 3, 36, 38 haben mindestens einen Umfang von 3 übereinander stehenden Quarten. Bei Ph. Nr. 2 II und 3 ist diese Staffelung sehr regelmäßig (jis l -hd-e 2 -a 2 , cP-gd-c 2 -/ 2 ). Bei 38 II wäre die Bildung ebenso regel­mäßig, wenn zwischen a und ei noch die NoteA 0 (Phrase 6,8, llusw. dieses Phonogr.) als Schleifton vorhanden wäre, was nach dem Bau der Melodie und ähnlichen Fällen wohl anzunehmen ist. Das Quartenschema für die betr. Skala wird dann dem von 2II und 3 gleich (/is°-A°-e 1 -a 1 ). Die Skala ausPh. 36 weicht etwas von dieser Bildung ab. Die Quartenstaffeln wären regelmäßig, wenn man mit der Stufe d 1 beginnen könnte, es ergäbe sich dann däs Schema In der Melodie

kommt aber der Schritt dd-g 1 gar nicht zur Geltung. Das g 1 fehlt durchweg. Dadurch entstehen im Phrasenbeginn zumeist der doppelte Quarten-( Septimen) Schritt d'-c 2 , der dem ganzen Gesang ein eigenartiges Gepräge gibt. Wo aber dieser Doppelquartenschritt geteilt wird, dort geschieht dieses nicht durch die staffeleigene Quartenstufe g 1 , sondern durch /. Dieses f 1 ist aber die Quarte der tiefsten (Airfangs-) Tonstufe c 1 . Statt der Quarte dd-g 1 tritt also die Quarte c 1 -/ 1 ein, und dd-g 1 kommt nur noch an untergeordneten Melodiestellen absteigend vor.

Durch diese Quartenverschiebung entsteht auch der Quintenschritt / x -c 2 . Auf ihm ruhen zugleich die Schwerpunkte der Melodie, wie die Skala es dar­stellt. Für diese Leiter ergibt sich also eigentlich das Grundschema c 1 -/ 1 -c 2 -/ 2 (Quart-Quint-Quart). Eine ähnliche Bildung zeigt die Skala Nr. 29 I. Sie weist aber zwei solcher gleichen Intervallstaffeln nebeneinander auf (c 1 -/ 1 -c 2 -/ 2 und d l -\ L g v \--g 2 ), deren zweite nach der Frequenz ihrer Stufen die untergeordnete ist. Von den Wuteskalen zeigt die eine (Phon. 10) gleichfalls drei, (a (-dd-g 1 -rd l ), die andere (Phr. 13 II) sogar vier übereinander stehende Quarten (ci.s°-/i'.s n -A n -e°-a. 1 ) Auf jeden Fall fällt auf eine der quartenbildenden Stufen dieser Skalen stets ein erster oder zweiter Hauptton der Melodie. Daraus ergibt sich auch hier eindeutig, welche Rolle die Quarte in afrikanischer Musik spielt.

Wie die genannten Skalen z. T. am Anfang und Ende Quarten zeigen (z. B. Ph. 36 c 1 -/ 1 -c 2 -/ 2 ), so zeigt die Leiter aus Ph. Nr. 2 Quinten (h n -fis 1 -h 1 -fis 2 ). Es er­gibt sich daraus also ein Quint- Quart- Quint-Akkord. Daß eine solche Stellung in den übrigen hier besprochenen Phonogrammen nicht mehr vorkommt, ist jeden­falls merkwürdig. Daß sie nicht nur theoretisch interessant ist, sondern die ganze Melodie charakterisiert, geht sehr deutlich aus der Transkription hervor. In bezug auf die angenommenen Haupttöne kommen als ,,Leitstufen in Betracht: (abwärts) kleine Sekunden (Ph. 23 I), große Sekunden (29 I, 10, 39, 36 ?, 37, 47, 2 ?, 1481 ?); (aufwärts): kleine Sekunden (1484, 49, 42, 46, 8), große Sekunden (3, 38 I, 2 II, 29 II, 34), kleine Terzen (36 1 13, 43, 18).

Zwischen den Phonogrammen der Wüte und denen der Tikar ergibt sich auch in dieser Beziehung kein eindeutiger Unterschied.

Mehrstimmigkeit

Nach der Mehrstimmigkeit lassen sich in den hier behandelten Phonogrammen drei Gruppen unterscheiden: Der ersten Gruppe gehören diejenigen Chor- bezw.