Periodicaltome 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
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Phonogramme von Tikar-Musik

Soli mit Chor

Walze Nr. 3 (Transskr. 1, S. 181), Phonogramm aus Jakong Männergesahg mit Chor ( huang-ngegang)

Die Intervallschritte in dieser Gesang-Melodie gehen nicht über eine Quarte hinaus. Nur einige Male, Takt 9 / 10 , 10 /n> (f' c ) 1 Vi2> 21 /22 > 2,7 Us (9'd)> kommen tote Intervalle vom Umfang einer Quinte vor. Halbtonstufen finden sich nur in den Takten 3, 16 und 17. Es ist aber möglich, daß die Notationen dieser etwas un­deutlich wahrgenommenen Tonbewegungen durch europäische Vorstellungen beeinflußt worden sind, soweit es sich um die Fiorituren in diesen Takten handelt. Ließe man in Takt 3 aus der notierten Verzierung das a weg, so wäre auch der Halbtonschritt beseitigt. Die Wechselnoten in den Takten 3, 16 u. 17 habe ich als Stichnoten gesetzt, d. h. sie sind nicht ganz zuverlässig. Man kann die Be­wegung hier auch so auf fassen, daß innerhalb des Legatos jedesmal die erste Triolennote gefühlsmäßig hervorgehoben wird, wodurch leicht der Eindruck einer Fioritur entsteht. Es mag also im ganzen angenommen werden, daß die Halbtonstufen in diesem Phonogramm von dem Sänger nicht beabsichtigt waren. Man gelangt dadurch zu einer größeren tonalen Einheit des Gesanges.

Der Chor bewegt sich in ostinaten Quartenschritten ( d g). An einzelnen Stellen ist es fraglich, ob die direkte Quarte oder die geteilte Quarte (d/ g) oder oh nur / g intendiert war. Zusammenklänge, die sich aus Solo und Chor ergeben, sind hier sicherlich ganz zufällig. In den Takten 3, 8, 10, 1418 fällt das Solo mit der Hauptnote des Chors zusammen. Dadurch entsteht einmal ein Sekunden-, einmal ein Quartenzusammenklang und dreimal ein Unisono. Be­trachtet man die Intervalle hinsichtlich ihrer Verteilung in der Melodie, so ergibt sich folgendes:

Die toten Quinten können für die Form der Melodie charakteristische Cäsuren ergeben. Darüber wird bei der Formanalyse noch einiges zu sagen sein.

An Quarten kommen vor: d-g (Ostinato), f-b, g-c und c-f. Während das Ostinato auf der ansteigenden Quarte ruht, sind sämtliche übrigen vorkommenden Quarten außer fünf (Takt 6, 15, 20, 21, 29) fallend. Es ergibt sich daraus eine Art melodischer Gegenbewegung zwischen Solo und Chor. Die in der Melodie steigend vorkommenden Quarten sind 3 X c-f und 2 X f-b. In den ersten fünf Takten finden sich keine Quarten. In Takt 17 und 30 stehen 2 Quarten neben­einander, darunter auch c-g, die überhaupt nur zweimal vorkommt, wenn man die Quarte nicht als solche gelten lassen will, die in Takt 16 durch die Fioritur verdeckt wird. Quartenfrei sind die Takte 1, 5, 7, 12, 14, 16, 22, 24, 28. Es zeigt sich, daß 6 von diesen 12 Takten so stehen, daß sie von quartentragenden Takten eingeschlossen werden. Dabei ergibt sich außer bei Takt 14 stets ein Kontrast zwischen dem vorhergehenden und dem folgenden Takt. Hat der vor­angehende Takt die Quarte c 1 -/ 1 , so hat der nachfolgende die Quarte f°-b° und umgekehrt. Takt 14 steht zwischen zwei Takten, die je die Quarte c-f haben. Es ergibt sich daraus ein ganz bestimmter Wechsel zwischen den einzelnen Takten.