F,in Mann lag mit seinen Kindern und schlief; da kam eine Ratte und biß ihn in die Ferse. Er wachte auf; da sah er, daß auf dem Feld der Feind heranschlich. Schleunigst lief er mit seinen Kindern davon. Später sagte er zu ihnen: „Tötet nie eine Ratte, sie hat uns den Feind gezeigt“. —
Ein Mann wollte ein Mädchen heiraten. Lange Zeit arbeitete er auf dem Feld ihres Vaters. Eines Abends gingen die beiden Männer zusammen nach Haus. An einer Stelle, wo es glitschig war, fiel der junge Mann hin. Da lachte ihn der Alte aus. Aber der junge hatte im Fallen ein Stachelschwein gegriffen, das hob er jetzt hoch und sagte: „Nein, ich bin nicht hingefallen, sondern ich wollte nur das Tier greifen.“ Das glaubte der Alte und gab ihm seine Tochter zur Frau. Später sagte der junge Mann zu seinen Kindern: „Tötet nie ein Stachelschwein, es hat mir beim Vater eurer Mutter geholfen“. —
Ein Mann hatte beim Spiel Geld verloren und borgte bei einem andern. Als der es wiederhaben wollte, lief er in den Wald; aber der andre lief immer hinterher, um ihn zu fangen. Da war eine rote Antilope in der Nähe, die sprang dicht neben dem Flüchtling in den Busch. Der Verfolger blieb stehn und bückte nur nach der Antüope; unterdessen lief der andre weg. Er sagte zu seinen Kindern: „Tötet nie eine rote Antüope, sie hat mir geholfen.“ Die Leute töten die rote Antilope nicht und essen nie ihr Fleisch. —
Ein Mann floh im Krieg vor seinen Feinden. Da kam er an einen großen Haufen Blätter von der Art, die auf der einen Seite grün, auf der andern rot sind. In den Haufen kroch er hinein. Seine Feinde Hefen vorüber, ohne ihn zu sehen. Seitdem ißt er nichts, von einer Speise, in die dies Blatt als Gewürz getan ist, so wenig wie seine Kinder und Nachkommen. —
Ein Mann arbeitete auf eines andern Acker, weü er seine Tochter heiraten wollte. Eines Abends war er sehr hungrig, da zog er eine Yams-Knolle aus der Erde, um sie zu essen; als er sie zerbrach, saß eine Grille darin. In dem Augenblick kam der Besitzer des Feldes von hinten und rief: „Iß nichts von dem Yams, das Fufu kommt ja schon.“ Da schämte sich der junge Mann und sagte: „Ich wollte gar- nichts davon essen, ich hörte nur, daß eine Grille drin saß, die wollte ich für dich fangen.“ (Grillen gelten als Leckerbissen.) Der Alte bedankte sich sehr dafür. Der junge aber sagte zu seinen Kindern: „Tötet nie eine Grille, sie hat mir beim Vater meiner Frau geholfen“.
Gesellschaft
Nach den Erzählungen unsrer Tikarleute war die soziale Gliederung des Volkes, die unter der deutschen Herrschaft bereits an Schärfe nachzulassen beginnt, streng und folgerichtig. Es schied sich in Edelleute, Freie, Hörige, Sklaven. Die Häuptüngsfamiüe entstammt dem Kreis der Edeln, die Brüder des Häuptüngs sind besonders hervorragende Edelleute. Mit der Würde des Edelmannes ist der Besitz eines abseits vom Häuptlingsort Hegenden Dorfes und einer Gefolgsmannschaft von Hörigen verbunden. Die Würde des Edelmannes vererbt sich auf den Bruder und immer wieder auf den Bruder, zuletzt auf einen Sohn des jüngsten Bruders, den dieser bestimmt. Die andern Söhne sind Freie, vornehme