Zeitschriftenband 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

65

um bei ihrem Sterben zugegen zu sein. Natürlich behält die Frau die Geheimnisse der Geburt nicht für sich, sondern erzählt ihrem Mann ausführlich und anschaulich davon, was sie um so eher vermag, als sie ja auch als Hebammen-Schülerin mehre­ren Geburten beiwohnen muß. Auf diese Weise haben wir Einzelheiten über den Geburtsvorgang von unsern verheirateten Leuten erkundet; da wir aber der Tikarsprache nicht mächtig waren, konnten wir mit keiner Frau unmittelbar reden, den Dolmetschern verweigerten sie jede Auskunft.

Ein so erfreuliches Ereignis jede normale Geburt ist, so schreckhaft erscheint dem Tikar die Geburt von Zwillingen. Bleiben Zwillinge am Leben und wachsen heran, traut man ihnen alles Unglück zu; doch herrscht im allgemeinen der Glaube, daß sie sterben müssen, daß aber ihre Geburt wie ihr Tod ein böses Vor­zeichen für die Familie, ja für das ganze Dorf sei. Man wagt auch nicht, sie im Dorf zu bestatten. Wir fanden zwischen Lomondji und Wawue, mitten zwischen Gras und Gebüsch der Savanne, an einer Weggabelung ein solches Zwillingsgrab: auf einem kleinen Erdhügel war ein Stein aufgerichtet, davor ein Topf 1 mit durchgeschlagenem Boden gestellt, zu beiden Seiten daumen­starke Grashalme eingesteckt, oben daran weiße Hühnerfedern. Unser Führer sagte uns, das sei geschehen zum Zeichen, daß der Vater auch diese Kinder nicht vergessen habe; ob diese Erklärung zutrifft, scheint uns aber zweifelhaft.

Den Söhnen gibt der Vater, den Töchtern die Mutter den Namen, sobald sie eine Woche alt sind; alle Verwandten und Freunde werden dazu geladen, hören den Namen und gehn ohne weitere Festlichkeiten wieder von dannen.

Hier folgen Namen von Männern, soweit wir sie gesammelt oder den Zähl­listen der Station Joko entnommen haben:

Mbo, Beu, Wogal, Banga, Ngadde, Mußa, Ngambe, Fonga, Laki, Monkan, Donga, Ngagu, Mongong, Moga, Mobette, Mbandum, Ndomba, Manßa, Nda, Woimbli, Sangse, Mohonga, Wudjo, Mangbla(ng), Bito, Wegua, Ndeu, Mombodji, Moaser, Ndo, Sumba (Sumwang), Laner (Lader?), Mascho, Koander, Huange, Woia, Nganji, Tijom, Njeba, Magan, Wumkoan, Sonchoa, Nunka, Jembila, Kinang, Jabu, Buga, Mbatu, Nowuda, Jebung, Mbijong, Wogo, Ntok, Njansi, Jüdee, Sima, Awabang, Njangua, Maso, Njossi, Dije, Mbilag, Sanda, Tonde, Mbuluka, Mankang, Njassu, Jengba, Mobage, Wambo, Moschingbe, Mondji.

Männer und Frauen scheinen großenteils dieselben Namen zu tragen, wie z. B. Mbatu, Ntok; wir hörten als besondere Frauen-Namen: Adju und Nsö.

Familienverband: Ein sehr starkes Familiengefühl verbindet alle Glieder einer Familie, auch einer weitläufigen Gehöft-Gemeinschaft. Jedes Kind be­trachtet alle Frauen seinesVaters als seine Mütter, es macht aber den Unterschied zwischenMutter, undMutter, die mich gebar. Die steht ihm am nächsten, doch ist auch jede andre Frau der Anhänglichkeit aller Kinder des Vaters ge­wiß und erfährt im Alter von ihnen allen dieselbe Hilfe und Freundlichkeit, wie die eigene Mutter. Ja dies Familiengefühl reicht über jede Beziehung hin­aus, die aus Blutsverwandtschaft oder Verschwägerung folgt. Der Tikarbursche

1 Vergl. S. 67, 85.

ö Thorbecko, Hochland von ilittcl-Kameniu IlT