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tischen Gründen dem Essen eine Ordnung gegebeu hat, so dem Geschlechtsleben- in der Ehe. In den Augen des Tikar ist überhaupt der Geschlechtsverkehr — mehr noch als das Gebären von Kindern — der Daseinszweck der Frau. Unsrer Erzählung, daß es in Europa ehelos und ohne Geschlechtsverkehr lebende Frauen gäbe, rief den staunenden Ausruf hervor: some woman itop for nothing?
Kein Höriger, Freier oder Edelmann kann seine Frau einem andern Mann schenken oder verkaufen; keine Frau würde sich das von ihrem Mann gefallen lassen. Nur der Häuptling hat das Recht, Frauen zu verschenken, und mancher macht ausgiebig Gebrauch davon, um durch das Verschenken einer Frau, deren er vielleicht im Augenblick gerade überdrüssig ist, tüchtige junge Männer aus. anderm Stamm bei sich ansässig zu machen und seiner Volkszahl und Wehrkraft zu gewinnen. So gewann während unsrer Anwesenheit in Tikar der Häuptling von Njua zwei tüchtige Ngambeleute, die in ihrer Heimat kein Weib bekommen konnten, weil der Häuptling jedes Mädchen für sich beanspruchte. Andrerseits wurde uns von dem 1907 abgesetzten jungen Häuptling Njansi von Ngambe erzählt, daß er wohl einsah, er könne den vielen jungen Weibern, die er um seines Ansehens willen haben mußte oder geerbt hatte, nicht genügend Kinder verschaffen. Er lud darum junge, kräftige Männer ein und schickte sie zu den Weibern, damit sie sie schwängerten. War das geschehen, konnte der junge Mann, mit Dank und Gaben beschenkt, wieder heimgehn. Ab und an gab ihm Njansi sogar die Frau zu eigen, wenn die beiden besondere Neigung zu einander gefaßt hatten. Das Kind aber beanspruchte er stets als sein Eigentum.
Arbeitsteilung: Die Pflichten der Frau sind die der Hausfrau, etwa ähnlich denen unsrer Bauerfrauen; neben dem eigentlichen Hauswesen liegt ihnen ein Teil der Landwirtschaft ob, ebenso die Pflege der Tiere, soweit davon überhaupt die Rede sein kann 1 . Doch wird nicht, wie bei vielen andern Stämmen West-Afrikas die Leistung aller Feldarbeit von der Frau verlangt 2 . Vielmehr herrscht eine regelrechte und sehr ausgeprägte Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, bei der dem Mann die schwere und körperlich anstrengende Arbeit zufällt: Roden und Hacken des Ackers — in waldigem Gebiet wirklich schwere
Arbeit — Säen und Pflanzen, feldw r eises Schlagen der Hirse. Natürlich ist auch die gelegentliche Beschaffung von Nahrung durch Jagd Sache des Mannes. Die Natur des Landes, Art und Höhe der Wirtschaft bringen es mit sich, daß es sich bei den Arbeiten des Mannes nicht um eine ganz regelmäßige Tätigkeit handelt, die jeden Tag ein annähernd gleiches Maß von Arbeit erfordert, sondern um einen Wechsel zwischen arbeitsreicher Zeit und süßem Nichtstun. Die Feldarbeit der Frau beschränkt sich auf Hilfe bei der Aussaat und bei der großen Hirseernte, auf selbständige Unterhaltung eines kleinen Gemüse- und Gewürzgartens 3 , im übrigenauf das Hereinschaffen der zur täglichen Nahrung notwendigen Feldfrüchte. Auch das Holen des Holzes von den draußen durch den Mann gefällten Bäumen ist ihre Sache. Die Bereitung von drei Mahlzeiten täglich
1 Vergl. Band II, S. 65.
2 Ebenda S. 63—64.
,1 Ebenda Tafel 17.