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Gelbguß
Wann und wie der Gelbguß inTikar bekannt geworden ist, entzieht sieh heute unsrer Kenntnis. Die Tikar selber sagen: „Immer haben es in Tikar zwei oder drei alte Männer gekonnt“. Aber daß eine Technik, die in Benin viel höher ausgebildet ist und sich über weite Gebiete des tropischen Afrika verbreitet hat, gerade in einem Lande autoehthon sein soll, in dem weder Kupfer noch Zinn vorkommt, dürfen wir kaum annehmen. Auch zeigen Arbeit und Ornamentik der Tikar-Bronzen Verwandtschaft mit Arbeiten von Völkern des Sudan, die wir in Tibati kaufen konnten, deren genauer Herstellungsort aber nicht festzustellen war. Andrerseits besteht kein Zweifel, daß die Völker des westlichen Kameruner Grashochlandes, vor allem die Bamum, den Gelbguß von den Tikar übernommen haben, und von ihnen wieder ihre nördlichen und westlichen Nachbarn. Alle Stämme imNorden und Westen von Bamum bezeichnen Bamum als das Ausgangs- land ihrer Bronze-Technik; die Bamum wiederum wissen noch genau, daß die aus Tikar eingewanderte Herrenschicht die Kenntnis des Gelbgusses mitgebracht iiat, wie uns Njoja mehr als einmal versicherte 1 .
Das zur Herstellung von Bronze notwendige Kupfer und Zinn soll in früheren Jahren aus ganz verschiedenen Ländern gekommen sein, Zinn habe man von Norden, Kupfer von Südosten bekommen 2 * 4 . Aber Weg und Art dieses frühem Handels sind heute ganz unbekannt. Das Material sei in Stücken oder als Kupferdraht eingeführt worden. Die angegebenen Himmelsrichtungen lassen die Vermutung zu, daß schon früh aus den Kupfergebieten des Kongo (vielleicht aus dem heutigen Katanga ?) Kupfer durch Zwischenhandel so weit nach Norden gelangt ist. Das Zinn dürfte aus den alten Zinngruben von Bautschi in Nord-Nigerien stammen. Doch wird heute in Tikar nur noch alte Bronze eingeschmolzen und neu verarbeitet, meist wohl Bronze europäischen Ursprungs 2 , von Patronenhülsen, Scharnieren, Schlössern. Die geringe Güte dieses Materials verursacht den allmählichen Verfall der Gelbguß-Technik.
In Njua bot sich uns eine Gelegenheit, den Gelbgießer bei der Arbeit zu beobachten; er goß in verlorener Form. Das Metall wird in kleine Stücke von 1 / 2 cm Dicke zerschlagen und in ein kleines, sehr fest gebranntes, kugelförmiges Tontöpfchen mit enger Öffnung getan (Fig. 28a). Das Modell wird in Wachs geformt. Soll der zu gießende Gegenstand hohl werden, bildet ein der Höhlung entsprechendes, fest gebranntes Tonstück den Kern des Modells. Um an massiven Gegenständen, wie Armreifen, Metall zu sparen, werden auch sie häufig um einen Tonkern gegossen, der vollkommen mit Wachs überzogen ist, also nach dem Guß in dem fertigen Metallgegenstand bleibt. Das in unserm Beisein hergestellte Stück war ein Pfeifenkopf. Als Höhlungskern lag ein gebrannter Tonkolben in winkeliger Form für Kopf und Rohransatz bereit, ebenso das Wachs, das durch Ausschmelzen in einer Tonscherbe von allen schmutzigen Bestandteilen gereinigt wird, die auf dem flüssigen Wachs schwimmen und abgeschöpft oder
1 Vergl. 1. Teil, S. 16 u. 17.
* Vergl. Morgen, Kamerun. S. 200.
* Vergl. 1. Teil, S. 27 und 28.
4 Tborhccbe, Hochland von Mittel-Kamerun III