Zeitschriftenband 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
26
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Materielle Kultur

Töpferei

Die Technik der Töpferei ist bei den Tikar ebenso einfach wie bei den meisten Negerstämmen des tropischen Afrika: reinste Handarbeit, von allen Zufällig­keiten und Launen des Augenblicks abhängig und daher sehr abwechslungsreich, in der großen Form wie im Einzelnen der Verzierung. Wir sahen kaum zwei Töpfe oder andre Tongeschirre, die einander ganz gleich gewesen wären. Die Geräte, die zur Herstellung eines Ton-Gefäßes dienen, sind denkbar einfachst : eine flache Mulde aus einem dicken Stück Baumrinde zum Kneten und Ausrollen des Tones, einige Scherben einer Kürbisflasche zum Glätten der Wände und als Unterlage beim letzten Hin- und Herdrehen des fast fertigen Topfes, ein scharfer Raphia- span zum Abkratzen aller Unebenheiten; mit diesen geringen Hilfsmitteln stellt die Tikar-Frau denn nur Frauen töpfern die Gefäße her. Der Verlauf der Arbeit ist folgender. Der dem Grund bestimmter Bäche entnommene hell­graue Ton wird mit den Händen gründlich durchgeknetet, und alle unreinen Bestandteile werden aus ihm entfernt; darauf wird der Ton zu wurstförmigen Walzen gerollt. Die Töpferin nimmt eine dieser Walzen in die rechte Hand und drückt daraus mit dem Daumen in der Fläche der linken Hand in flacher Spirale den Boden des Gefäßes und, in gleicher Wölbung daran ansetzend, die Topfwand. Jedes Gefäß erhält so einen gleichmäßig gerundeten Boden und Bauch. Wird der Topf allmählich durch Anfügen einer Walze an die andre immer größer, so daß die linke Hand ihn nicht mehr halten kann, setzt ihn die Frau auf ihre Ober­schenkel (Tafel 12 Abb. 1). Die stützende flache Linke dreht den Topf langsam, während der rechte Daumen in Gegenbewegung den Ton spiralförmig weiter- flach andrückt. Sehr große Gefäße werden schließlich auf den Boden gesetzt und dort fertig geformt; als Unterlage dient dabei ein Stück Kürbisschale, mit einigen großen Blättern ausgelegt, das sich auf dem Boden dreht. Auch etwaiges Umbiegen des oberen Randes wird auf dem Boden ausgeführt, weil dazu beide Hände nötig sind; die linke hält von außen ein Stückchen gewölbte Kürbisschale gegen den oberen Rand, der Daumen der rechten biegt ihn dagegen nach außen um. Mit feuchtem, scharfem Raphia-Span wird jede Unebenheit, jeder Rand, der beim Andrücken der Walzen stehen geblieben ist, abgeschabt, das ganze Gefäß außen und innen mit einer blanken Kürbisschale gerieben und förmlich poliert (Tafel 12 Abb. 2).

Gegenüber dieser primitiven Herstellung des eigentlichen Gefäßes überrascht die Art, in der die Verzierungen angebracht werden, mit Verwendung eines kleinen Hilfsmittels, das nicht praktischer und sinnvoller ausgedacht sein könnte