Zeitschriftenband 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

44

der Vogelpfeile (ntungo, Tafel 17 Nr. 9) eigentümlich. In drei Teile gespalten, jeder Teil nadelspitz und mit Widerhäkchen versehen, ist eine solche feste Holz­spitze, die mit feinster seidenglänzender Bastbindung einem Rohrschaft aufge­setzt wird, stark genug, um Vögel zu töten.

Als Werkzeug beim Herstellen der Holzgeräte dient, sobald mit der Axt der Baum gefällt und das Stück mit dem Schwert oder heute mit dem vom Euro­päer eingeführten langen Haumesser einigermaßen zugehauen ist, nur das dolchartige Messer mit beiderseits geschärfter Klinge. Der Schnitzer kann also nicht, wie bei uns durch Druck der Finger auf die Klinge, die Kraft verstärken, er hält das Messer am Griff und führt die Schnitte nicht auf seinen Körper zu, sondern vom Körper weg. Die großen Holz trommeln fertigt der Tikar aus einem Stück eines dicken Baumstammes durch Aushöhlen, er schlägt von oben mit der Axt hinein und entfernt die Splitter von Zeit zu Zeit mit dem Messer. Ebenso werden die großen Einbäume hergestellt, die zum Überqueren des Mbam und des Kim dienen; doch sind diese Einbäume erst durch die deutsche Herrschaft auf den großen Flüssen im Lande der Tikar eingeführt. Ein Ausbrennen größerer hohler Holzgegenstände ist unbekannt.

Auch die Herstellung von Rindenstoff (mple) muß als Holzbearbeitung gelten.

Sie wird heute kaum noch geübt, nur wenige ältere, einsam in den Ndomme lebende Leute treiben sie noch. Von einem starken Baumstamm wird die Borke entfernt und ein Stück der holzigen Rinde von 12 cm Dicke und etwa 30x10 cm Größe abgelöst. Durch Liegen im Wasser schmiegsam gemacht, f

wird die Rinde auf einem Baumstamm mit starkem Knochenschlägel '

(dichi-mple) geklopft; das Instrument, das wir sahen, war aus einem Elefanten­knochen hergestellt. Nach mehrfachem Weichen und Klopfen ist das Rinden­stück so breit und dünn geworden, daß man es falten kann; alsdann wird es beim Klopfen erst einmal und später mehrfach zusammengelegt, was den Prozeß des Auseinandertreibens der Holzfaser sehr beschleunigt. Hat die Holzfaser schließ­lich stoffähnliche Dünne erreicht, so ist das Stück etwa 80 X 40 cm groß geworden, was für einen kleinen Schurz ausreicht. Für ein größeres Lendentuch werden mehrere mit Bast an einander genäht. Gefärbt wird der Stoff durch Hineinklopfen von Rotholzpulver.

Sclimiedekunst

Das Schmiedehandwerk ist hoch angesehen, der Schmied einer der ersten Männer in jedem Tikardorf, aber er ist nie ein Edelmann, höchstens ein Freier, der zur unmittelbaren Gefolgschaft des Häuptlings gehört. Wegen der Wichtigkeit für die Waffen-Herstellung hat der Häuptling auch meist die Eisengewinnung Ln der Hand. Von ihm angestellte Leute bedienen den Schmelzofen; das gewonnene Roh-Eisen scheint zunächst dem Häuptling zu gehören, der es verschenkt oder verkauft. Leider war es uns nicht möglich, einen Schmelzofen in Augenschein zu nehmen. Sie liegen gewöhnlich 23 Tagemärsche vom Häuptlingsort ent­fernt ganz im Verborgenen; unser Hach geographischen Rücksichten gewählter Weg führte uns nie in die Nähe von einem, und um ihn besonders aufzusuchen,

i