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Schnitte in den Schild kerbt, nur die Mitte zusammenzieht und so, bei der Steifheit der Büffelhaut, auch die abstehenden Teile heranholt. Der Tikar hingegen führt unterhalb der ausladenden Zacken die Schnur vom Rand durch zwei Ösen in der Mitte. Die Wölbung wird auf diese Weise geringer, genügt aber immer noch, zumal die Zacken bessern Schutz gewähren. Die Schnur und die Ösen sind aus gedrehtem rohem Leder und haltbar genug, doch nie so sauber und genau gearbeitet wie am Schild des Wüte. Auch hält und trägt der Tikar seinen Schild nur an einem Stoffband, nicht am kräftigen ledernen Armring wie der Wüte.
Holzbearbeitung
Der Tikar benutzt das ihm so reichlich in seinen großen und kleinen Wäldern zuwachsende Holz verhältnismäßig wenig zu Gegenständen des täglichen Gebrauchs; besonders wenig verwendet er das Kernholz starker Bäume, wie es der Bewohner des westlichen Grashochlandes mit Vorliebe tut. Außer den großen Trommeln, die im Abschnitt über Musik 1 behandelt werden, und den Tanzmasken 2 (Tafel 17 Nr. ]) fanden wir nur zwei Gegenstände, und jeden auch nur in einem Stück, die aus Kernholz geschnitten waren: einen riesigen flachen Löffel (hue) mit kurzem Stiel (Tafel 17 Nr. 2) beim Wächter der Häuptlingsgräber von Njua, wie er heute in Tikar nicht mehr hergestellt wird, und ein Paar sein’ dicke, hölzerne Sandalen (maddbe ngü, Tafel 17 Nr. 3), die bei Regenwetter getragen werden, um mit den Füßen nicht in den Schmutz zu kommen. Bei allen andern Gegenständen aus Holz fanden wir nur mittlere und dünne Stämme, ja Äste und schwache Zweige verwendet. So nimmt der Tikar beim Hausbau nur so viele Stützbalken aus Stammholz wie imbedingt nötig, damit das Haus nicht einstürzt, meist aber nur für den Mittel- pfahl und die Türpfosten, während er alles Übrige aus dünnen Stangen, Zweigen, ja Grashalmen aufführt. Wo er für seine Geräte Stiele und Handhaben braucht, fertigt er sie aus mittleren oder dünnen Ästen, die gleich von Natur die gewünschte Gabelung oder Biegung haben. So ist der Stiel der Axt (esong, Fig 25) fast immer eine starke, leicht gebogene Keule, an der zum Schmuck oft einige Ringe eingekerbt sind. Der Kolben wird durchbohrt, und das schmale Eisen, dessen hinteres Ende spitz zuläuft, wird in das Loch getrieben. Je mehr die Axt gebraucht wird, um so fester schlägt sich der Keil in das Holz hinein, bis es schließlich auseinander platzt. Die Feldhacke ( akung , Fig. 26) wird an einem kräftigen, gegabelten Ast befestigt, der längere Gabelteil dient als Griff, der kürzere geht in die Hacke über; unterhalb der Gabelung wird der Ast abgeschnitten, Raphiabindung hält in kreuzweiser Führung die beiden Gabelteile zusammen, damit sie beim Gebrauch der Hacke nicht aus einander brechen. Der kurze Griff des Schwertes, aus kräftigem Ast- oder Stammholz geschnitzt, zeigt die typische, auch im westlichen Grashochland, in Bali und Bamum, übliche doppelt gegabelte Form, die fest in der Hand liegt (Tafel 19), Messer zeigen glatte Handgriffe, die
1 Vergl. S. 137 ff.
2 Vergl. S. 104.