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gelbliche Stoff ist mit gelblichem oder blauem Baumwollfaden reich gesteppt. So sahen wir sie in Bambu, Jakong, Njua, Bengbeng, Lomonji 1 . In Ngambe und Ditam aber trugen die Häuptlinge, als sie auf unsern Wunsch die alte Häuptlingstracht anlegten, eine eigenartige Mütze 2 , deren Stoff beiderseits eine Anzahl von stumpfen, stachelartigen Auswüchsen zeigte, die, aus Stoffstückchen genäht und reich gesteppt, der Mütze aufgesetzt sind. Auch der Häuptling von Bamkin soll die gleiche Mütze besitzen, ich habe sie aber 1908 dort nicht gesehen.
Wir haben ähnliche Häuptlingsmützen nur noch im westlichen Grashochland kennen gelernt, in Bana und Bangante, doch konnten wir in Tikar keinerlei Beziehungen zu diesen Gebieten feststellen; möglich wäre ein von Tikar ausgehender Einfluß, der über Bamum, das von einer Tikar-Oberschicht beherrscht wird, das Gebiet westlich des Nun erreicht hat, denn dort gilt überall das große Reich Bamum und sein Herrscher als Vorbild, dem man nacheifert.
Binde-Arbeiten
Eine verhältnismäßig große Bedeutung hat für den Tikar — wie für alle andern Stämme Kameruns — die Technik des Bindens, die in fast allen Fällen dem Neger das ihm unbekannte Nageln ersetzen muß. Er wendet sie an, um allerhand Geräte aus Holz oder Lianen herzustellen. Das Bindematerial ist Bast oder dünner Lianenstreifen. Als charakteristisches, einfaches Erzeugnis solcher Arbeit führen wir die gabelartige Schaufel an, auf der feuchte Tabakblätter über dem Feuer getrocknet werden (Tafel 16 Nr. 2). Ein SpanRaphiaholz wird bis zur Mitte in mehrere Streifen gespalten, Querhölzchen sperren diese immer weiter aus einander; eine Bindung mit dünnem, abgespaltenem Lianenstreifen hält sie fest in dieser Lage. In ähnlicher Technik ist die große kunstvolle Fischreuse (elhie) hergestellt (Tafel 16 Nr. 1). Lange, schlanke Raphia- späne sind mit Lianenband auf einigen Lianenreifen fest gebunden. Ein innerer kleiner Korb mit offenem Boden ist an seinem oberen Rand mit dem äußeren, langen Korb verknüpft. Der Fisch, der durch die aus einander weichenden Stäbe des inneren Korbes hineinschlüpft, findet sich im äußeren Korb gefangen, da er nicht durch die ihm entgegen starrenden festen Stabenden wieder heraus kann.
Aus zusammen gebogenen starken Lianen und Lianenschnüren binden die Tikarmänner die Gestelle (nlca) zusammen (Tafel 16 Nr. 4), in denen sie Traglasten verschnüren und mit Hilfe weicher, geflochtener Schulterbänder auf dem Rücken transportieren. Sie haben aber wahrscheinlich diese Form erst kürzlich von den benachbarten Sanaga-Stämmen entlehnt, die solche Traggestelle in noch viel größerer und festerer Artherstellen (Tafel 16 Abb. 3). Der Trägerdienst mit Kaufmannsgütern von und nach Jaunde mag sie die Nützlichkeit solcher Traggestelle gelehrt haben, in denen Lasten jeder Form und Größe
1 Vcrgl. 2. Teil, Tafel 12 Abb. 2.
3 Vcrgl. 1. Teil, Tafel 21 Abb. 1.