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Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
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schwarz gefärbt wird. Mit einem beinernen oder eisernen Pfriem stößt der Ar­beiter durch den oberen Rand der vorigen Runde ein Loch und führt den Bast­faden hindurch. Abwechselnder Gebrauch gelber und schwarzer Bastfäden be­wirkt einfache Muster. Der Tikar stellt in dieser Technik flache Schüsseln und tiefere Näpfe her ( esung , Tafel 15 Nr. 1). Deckelkörbe, die der Haussa und auch der Bamum darin arbeiten, kann er nicht verfertigen. Die Schüsseln und Näpfe werden benutzt, um Mehl und fest gekochte Speisen hineinzutun. Eine ähnliche Technik wird beim Umflechten der runden Kranzkissen ( ndja) angewandt, auf denen Lasten auf dem Kopf getragen werden (Tafel 15 Nr. 2); verfeinert werden sie dadurch, daß die dicke Graseinlage erst einmal fest mit Bast um­schlungen wird und in diese Schlingfäden schwarze und gelbe Querfäden in Mustern eingezogen werden.

Eine sehr saubere und zierliche, unsrer Häkelarbeit verwandte Technik wird geübt, um aus gedrehten Bastfäden feine, leichte Mützen zu knüpfen (Tafel 15

Nr. 3). In der Mitte des Kopfes anfangend wird der Faden mit dem Pfriem heute auch häufig mit einer groben europäischen Nadel durch die Masche der vorigen Runde geführt und so fest angezogen, daß nur eine kleine Öse bleibt, durch Knüpftechnik für Bastmützen die wiederum bei der nächsten Runde der Knüpf­faden geht (Eig. 19). Die Erweiterung der Mütze erfolgt durch regelrechtes Zunehmen; ist die Kopfweite erreicht, wird ohne weiteres Zunehmen gearbeitet, so daß eine hohe, oben spitze Mütze entsteht, die sich aber weich und schmiegsam in Falten legt und dem Kopf dicht anliegt.

Ein noch feineres Material haben die Tikar in einer Hanf- oder Nesselart, die sie nach ihrer Aussage selber anbauen, und deren feste Fasern sie zu feinen Schnü­ren und groben Seilen drehen. Wir haben Seile und Schnüre gesehen, die der Faser nach sicher nicht europäisch waren, es gelang uns aber weder die Herstel­lung zu beobachten, noch der Pflanze habhaft zu werden. Auch das Knüpfen der großen, festen Handnetze (ndä, Tafel 15 Nr. 4), mit denen in seichten, abge­dämmten Bächen Fische förmlich geschöpft werden, haben wir nicht zu sehen be­kommen. Das Netzwerk und die Knoten haben große Ähnlichkeit mit unsern Netzen, doch möchten wir nicht glauben, daß die Tikar diese Technik erst vom Europäer gelernt haben.

Zu Schnüren wird auch das feinste Material, das in Tikar vorkommt, die Baumwolle gedreht. Eine Menge solcher 2530 cm langer Schnüre werden an ihren obern Enden als 20 cm breites Zopfgeflecht mit einander verflochten; die frei herunter hängenden Schnüre bilden den winzigen Schurz, den die Frauen an einer Schnur über den Hüften tragen (Tafel 10 Abb. 3).

Weberei

, Auch die höchst entwickelte Technik, aus Faserpflanzen Stoffe kerzustellen, die Weberei, fanden wir in Tikar, allerdings in denkbar primitivster Methode. Die handgereinigten Baumwollstapel werden um einen kurzen Stab