Zeitschriftenband 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
29
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Freie Liebhaberei schaltet bei den großen Wasserkrügen, die je nach Geschmack kugelförmig ( ngumla , Tafel 13 Nr. 10, oder ndeü, Nr. 11) oder in einer Gestalt, die an die griechische Amphora erinnert (io,

Tafel 13 Nr. 12), hergestellt werden; sie werden auf der Schulter getragen (Fig. 12). Wahrscheinlich ist jede Töpferin auf eine besondere Form eingeübt, denn die Herstellung dieser sehr großen, besonders schön verzierten Gefäße, die ja nicht durch Benutzung am Feuer zu leiden haben, ist mit die schwierigste Aufgabe der Töpferei. Jede Frau bestellt sich ihren Krug bei der Meisterin, deren Arbeit ihr besonders gefällt. Auch zum Aufheben des Hirsebiers werden diese Krüge benutzt.

Gleichfalls aus Ton geformt und gebrannt werden die einfachen kleinen Pfeifenköpfe, aus denen der Tikar raucht. Er kennt nicht die großen, reichver­zierten Tonpfeifen des westlichen Grashochlandes. Auf­fallender Weise formt er den Pfeifenkopf nicht mit der Höhlung und der engen, zum Rohr führenden Öffnung, sondern formt und brennt die einfache, winklige Form ganz massiv; erst das fertig gebrannte Stück wird vor­sichtig mit spitzem, scharfem Messer ausgehöhlt und dem hölzernen Pfeifenrohr angepaßt.

Flecht- und Knüpfarbeiten

Im Gegensatz zur Töpferei, die Frauenarbeit ist, wird die Flecht- und Knüpf­arbeit 1 meist von Männern ausgeführt. Sie ist reine Handarbeit. Der Webe­apparat für Bastgeflechte, wie ihn das Waldland und das westliche Grashochland kennen, ist östlich des Mbam unbekannt, während umgekehrt die Baumwoll­weberei nur wenig in das westliche Grashochland und garnicht in das Waldland hineinreicht, im Ost-Mbamland aber sehr verbreitet ist. Das Material zum Flechten und Knüpfen wird in diesem Land der Grasflur und der Flußwälder bei­den Vegetationen entnommen. Das gröbere Material, das Gras, wird nur als Zaungeflecht, höchstens als Einlage der spiralförmigen Flechtarbeit an Tellern und Schüsseln benutzt; es ist zu starr und zu wenig schmiegsam, um zum eigentlichen Flechten benutzt zu werden, auch Gegenstände, wie sie unsre hei­mische Strohflechterei als Matten herstellt, könnten aus den langen und kräftigen Halmen vielleicht nicht gefertigt werden, weil sie beim Biegen zu leicht brechen.

Dafür aber bietet der Flußwald verschiedene ausgezeichnete Flecht- und Knüpf­materialien, die, geschmeidig und haltbar, allen Ansprüchen genügen. Zu den einfachsten, gröbsten Flechtarbeiten benutzt man die weiche Rinde einer hohen, saftigen Waldstaude ( mpuej ), deren Art wir leider nicht feststellen konnten, da wir sie nicht blühend fanden. Die gut zwei Meter hohen, daumdicken Triebe werden

Fig. 12

Gefüllter Wasserkrug

mm

Vorgl. 2. Teil, S, 70.