Freie Liebhaberei schaltet bei den großen Wasserkrügen, die je nach Geschmack kugelförmig ( ngumla , Tafel 13 Nr. 10, oder ndeü, Nr. 11) oder in einer Gestalt, die an die griechische Amphora erinnert (io,
Tafel 13 Nr. 12), hergestellt werden; sie werden auf der Schulter getragen (Fig. 12). Wahrscheinlich ist jede Töpferin auf eine besondere Form eingeübt, denn die Herstellung dieser sehr großen, besonders schön verzierten Gefäße, die ja nicht durch Benutzung am Feuer zu leiden haben, ist mit die schwierigste Aufgabe der Töpferei. Jede Frau bestellt sich ihren Krug bei der Meisterin, deren Arbeit ihr besonders gefällt. Auch zum Aufheben des Hirsebiers werden diese Krüge benutzt.
Gleichfalls aus Ton geformt und gebrannt werden die einfachen kleinen Pfeifenköpfe, aus denen der Tikar raucht. Er kennt nicht die großen, reichverzierten Tonpfeifen des westlichen Grashochlandes. Auffallender Weise formt er den Pfeifenkopf nicht mit der Höhlung und der engen, zum Rohr führenden Öffnung, sondern formt und brennt die einfache, winklige Form ganz massiv; erst das fertig gebrannte Stück wird vorsichtig mit spitzem, scharfem Messer ausgehöhlt und dem hölzernen Pfeifenrohr angepaßt.
Flecht- und Knüpfarbeiten
Im Gegensatz zur Töpferei, die Frauenarbeit ist, wird die Flecht- und Knüpfarbeit 1 meist von Männern ausgeführt. Sie ist reine Handarbeit. Der Webeapparat für Bastgeflechte, wie ihn das Waldland und das westliche Grashochland kennen, ist östlich des Mbam unbekannt, während umgekehrt die Baumwollweberei nur wenig in das westliche Grashochland und garnicht in das Waldland hineinreicht, im Ost-Mbamland aber sehr verbreitet ist. Das Material zum Flechten und Knüpfen wird in diesem Land der Grasflur und der Flußwälder beiden Vegetationen entnommen. Das gröbere Material, das Gras, wird nur als Zaungeflecht, höchstens als Einlage der spiralförmigen Flechtarbeit an Tellern und Schüsseln benutzt; es ist zu starr und zu wenig schmiegsam, um zum eigentlichen Flechten benutzt zu werden, auch Gegenstände, wie sie unsre heimische Strohflechterei als Matten herstellt, könnten aus den langen und kräftigen Halmen vielleicht nicht gefertigt werden, weil sie beim Biegen zu leicht brechen.
Dafür aber bietet der Flußwald verschiedene ausgezeichnete Flecht- und Knüpfmaterialien, die, geschmeidig und haltbar, allen Ansprüchen genügen. Zu den einfachsten, gröbsten Flechtarbeiten benutzt man die weiche Rinde einer hohen, saftigen Waldstaude ( mpuej ), deren Art wir leider nicht feststellen konnten, da wir sie nicht blühend fanden. Die gut zwei Meter hohen, daumdicken Triebe werden
Fig. 12
Gefüllter Wasserkrug
mm
Vorgl. 2. Teil, S, 70.