Zeitschriftenband 
Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

halten, haben aber selbstverständlich beobachtet, daß die Köpfe, sich selbst über­lassen, bald ihre Form ändern und sich runden, wie das ja auch bei uns der Fall ist. Sie wünschen aber die ursprüngliche Form so lange wie möglich zu er­halten und massieren darum den noch ganz weichen Kinderkopf in der be­schriebenen Weise, erreichen damit wohl auch die etwas längere Dauer der Spitz­form. ohne sie aber bleibend machen zu können.

Haartracht

Die Haartracht der Tikar ist dem Wechsel der Mode unterworfen wie die Kleidung 1 , doch lassen sich einige dauernde Grundsätze festhalten. Einmal ist es nur den verheirateten Frauen erlaubt, die Haare wachsen zu lassen und kunstvolle Frisuren daraus herzustellen, während die Mädchen den Kopf kurz geschoren tragen wie die Knaben. In Ngambe erkennt man, nach Aussage dortiger Einwohner, bei den Männern den Unterschied zwischen Freien und Hörigen an der Haartracht (Tafel 11 Abb. 2). Beide lassen sich an dem sonst geschorenen, fast glatt rasierten Schädel einen kleinen Schopf stehen, der Hörige trägt den Schopf vorn, beim Freien sitzt er am Wirbel und wächst dort so lang, daß er ihn zu einem herabhängenden Zöpfchen flechten oder drehen kann, an dem er gern ein winziges ledernes Amulett-Täschchen trägt. In Njua und Jakong aber trägt auch der Edelmann den Schopf vorn, wenn es ihm so beliebt. Ob der Wir­belschopf in der Mitte mehr rechts oder mehr links sitzt, ob ein oder zwei Schöpf- chen herabhängen, und wie lang sie sind, ist eine Frage des persönlichen Ge­schmacks. Nach Mitteilung von Leuten aus Ngambe war es früher dem Edel­mann überhaupt untersagt, unbedeckten Hauptes zu gehen,seinen Schopf sehen zu lassen; erblickte der Häuptling den Schopf eines Edelmannes, so mußte er Strafe zahlen. Der Freie oder Edelmann, der etwas auf sich hält, scheint seine Haartracht nicht nach Mode oder Laune zu wechseln, sondern bei der einmal gewählten Form zu bleiben.

Um so größere Abwechslung treibt der Hörige mit dem Schopf des Vorder­haares: rund und talergroß, halbmondförmig, mit ein, zwei oder drei hornartigen kleinen Spitzen läßt er sich ihn alle paar Wochen von einem Freund neu heraus­scheren. Der Scherende faßt dabei mit der Linken einen Haarbüschel nach dem andern und schneidet ihn mit einem Messer dicht an der Kopfhaut ab. Mit einem kleinen Holzkamm wird der stehen gebliebene, aber auch gehörig gekürzte Schopf gelockert, schließlich das ganze Werk mit Wasser gründlich gereinigt und mit Palmöl gefettet.

Bei den Frauen der Stämme von Jakong, Njua, Lomonji, Bukamba und Ditam hat sich die alte Tikar-Haartracht erhalten: das ganze, 510 cm lange Haar wird in gedrehten Schnüren, die mit Palmöl gefettet sind, von vorn nach hinten über den Kopf gelegt; je weiter zum Nacken hin, um so mehr wird das Haar gekürzt, so daß die Schnüre vorn und hinten ganz gleichmäßig ansetzen und nirgends abstehende Enden unterzubringen sind (Fig. 1). Selten nur sieht man hier

Vergl, 2. Teil, S. 40.