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Teil 3 (1919) Beiträge zur Völkerkunde des Ost-Mbamlandes / unter Mitarb. von Theodor Mollison ... von Franz und Marie Pauline Thorbecke
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Die Kultur des Körpers

Körperliche Erscheinung und Haltung

In seiner körperlichen Erscheinung weist der Tikar zunächst keinerlei auf­fallende Merkmale auf. Kommt, man aus Westen, von den hocli gewachsenen, fürstlich einherschreitenden Bamuni, aus Süden, von den stattlichen, kräftigen Wüte, aus Norden, von den riesigen Mbum und den hohen, schmalen Fulla-Ge- stalten immer wird der Tikar in seiner Körperbildung 1 zuerst den Eindruck des Bescheidenen, Unscheinbaren machen. Er ist mittelgroß, verhältnismäßig schmächtig und zart gebaut; sieht man einmal einen groß Gewachsenen, ist er meist auffallend schmal und schlank (Tafel 10 Abb. 1). Audi die stärksten, kräftigsten Tikarmänner erscheinen körperlich nicht mehr so ausgezeichnet, sobald man sie etwa ins Wute-Land mitnimmt uud dort in der Umgebung der prachtvollen Wute-Erscheinungen beobachtet. Bei näherer Betrachtung und Bekanntschaft aber erkennt man die gute Proportion des allgemeinenkörperliehen Habitus und besonders die Gleichwertigkeit durch alle Schichten des Volkes hindurch. Einen Gegensatz, wie zwischen dem hoch gewachsenen und wohl gepflegten Bamum-Edelmann und seinen oft elenden und ausgemergelten Hörigen trifft, man im Tikar-Land nirgends: die gleiche mittelgroße und mittel­starke bis schmächtige Erscheinung ist durchgehends vom Hörigen bis zum Edelmann und Häuptling zu beobachten. Wirklich magere, elende Gestalten sahen wir nur ein oder zwei Mal bei Kranken, sonst war ein jeder wohl proporti­oniert. Reiche Leute, die sich körperlich wenig anstrengen, neigen in mittleren Jahren zur Behäbigkeit, ohne indessen wirklich fett zu werden; im Alter magern sie wieder ab.

Die Hautfarbe des Tikar ist im allgemeinen etwas heller und rötlicher als die seiner umwohnenden Nachbarn; natürlich kommen auch einzelne tiefdunkle Erscheinungen vor.

Die Körperhaltung hat wieder im Vergleich mit Wüte und Barn um etwas Weiches, bei den jungen Leuten geradezu Geschmeidiges. Die Frauen werden sogar zu einer ganz bestimmten, schmiegsamen Haltung erzogen: Knie und Leib etwas vorgeschoben, den Oberkörper leicht hintenüber gelehnt, aber Schul­tern und Kopf wieder leise nach vorngeneigt (Tafel 10 Abb. 2 und 3). Da sie da­zu mit eng an einander gepreßten Knien, in kurzen Schritten gehen, wird deutlich der Eindruck des Sanften, Bescheidenen hervorgerufen, ganz im Gegensatz zu

' Vergl. 1. Teil, Tafel l.'l und 2. Teil, Tafel 1.