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reichung zusamn.enhärgt, durchaus natürlich ersehe;nt» hält er in seinem Aberglauben 1 auch die allergeringste Anwendung vcnMitteln der Heilkundefür etwas Übernatürliches, der Zauberei Verwandtes. Dabei sind die medizinischen Kenntnisse, selbst der als erfahren geltenden Leute, äußerst gering. Nicht einmal kleine äußerliche Verletzungen weiß der Tikar zu behandeln; er überläßt sie erst sich selbst, heilen sie nicht und werden eitrig, läßt er sich von einem „Heilkundigen“ ein Pflaster bereiten aus verschiedenen, fein zerriebenen Blättern. Klebt es nicht von selbst, wird es mit den seidigen festen Blattscheiden der Banane festgebunden. Wir haben keinen Fall kennen gelernt, in dem das Pflaster geholfen hätte, vielmehr kamen viele unsrer Träger, die meist Beinwunden damit verklebt hatten, zu uns und baten um Hilfe, da Eiter und Schmerzen unter dem Pflaster immer schlimmer würden; entfernten wir es, fand sich meist eine tief gefressene, übelriechende eiternde Wunde unter dem grünen Pflanzenpflaster. Einer unsrer Leute bekam ein großes, hartes Geschwür auf der Brust, das wir ihm mit unsern Mittein nicht rasch genug auf ziehen konnten. Er ließ sich von einem Häuptling „Medizin machen“, die darin bestand, daß drei Reihen kleiner Messerschnitte auf dem Geschwür angebracht und Pflanzensaft hinein gerieben wurde; in andern Fällen hörten wir, daß dazu fein gestoßenes Holz verwandt wird. Die Geschwulst wurde aber nicht besser davon, ln allen uns bekannt gewordenen, sicher nicht schweren Fällen hat die Heilkunde der Tikar völlig versagt.
Bei innern Krankheiten ist natürlich ihre Unkenntnis noch größer. Auch sie haben die eigentümliche Vorstellung, der wir bei vielen Negerstämmen begegneten, daß die innern Krankheiten durch lange Würmer hervorgerufen würden, die im Körper spazieren gingen und manchmal mit dem Kopf herauskämen. Wahrscheinlich steht diese Vorstellung in Zusammenhang mit der nicht selten auf tretenden Filarien-Krankheit, Bei Verzauberung geht dann solch ein Wurm ans Herz oder in den Hals und beißt den Menschen tot. Wir beobachteten, daß sie den Wurm hauptsächlich bei rheumatischen Schmerzen zu fühlen glaubten. Aber von irgend welchen Heilmitteln dagegen weiß der Tikar nichts; werden die Schmerzen sch? schlimm, besonders in den Beinen, bleibt man im Haus, hockt am Feuer oder lisgt auf der Bettbank. Nicht einmal die wohltätige Wirkung des Schwitzens ist ihnen bekannt; eine von uns einem Diener verordnete Schwitzkur erregte die größte Verwunderung. Ebenso wenig weiß sich der Tikar bei Erkältungskrankheiten der Atmungsorgane zu helfen, die sehr häufig Vorkommen. Sogar die gute Wirkung kalter Umschläge um einen verstauchten Fuß oder einen entzündeten Finger ist ihm ganz unbekannt. Man kann ruhig sagen: der Tikar weiß oder versteht von Heilkunde überhaupt nichts.
Künstliche Verunstaltungen
Die Sitte so vieler Primitiven, den Körper nicht nur zu pflegen, sondern — »
neben Frisur, Schmuckstücken und Kleidung — auch noch Verschönerungen mit ihm selbst vorzunehmen, pflegen auch die Tikar.
1 Vcrgl. S. 87.